» Navigation

» Foren-Links
 > Forum
 > Portal
» DVMB-Links

» heutige Geburtstage

-
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 20 von 40
  1. #1
    Registriert seit
    08.2003
    Beiträge
    4.605

    Neues aus Wissenschaft und Forschung

    Mit Dank an Lurchi/Ulrich für die Inspiration.

    Quelle:

    Navigation: FU Dissertationen Online / Mycore 2.0.2

    Objekt-Metadaten
    Analyse von (immundominanten) HLA-B27-restringierten bakteriellen und autologen gelenkspezifischen Peptiden und die Beteiligung von Chondrozyten an der Antigenpräsentation



    Die ankylosierende Spondylitis (AS) und reaktive Arthritis (ReA) sind eng mit dem humanen Leukozytenantigen (HLA) B27 assoziiert. Im Rahmen dieser Arbeit durchgeführte histologische Untersuchungen zeigten an Femurköpfen von AS Patienten Ansammlungen von T Zellen, auch CD8+ T Zellen, die das Knorpelgewebe vom subchondralen Knochenmark aus infiltrierten. Das Ausmaß dieser T Zell-Infiltrationen korrelierte mit dem Vorhandensein von Knorpel auf der Gelenkoberfläche. Eine erhöhte Dichte von Blutgefäßen in Bereichen mit akuter Entzündung am angrenzenden Knorpel deutete auf die Möglichkeit einer erleichterten Einwanderung von T Zellen. Diese Beobachtungen warfen die Frage auf, auf welchen Ebenen der Beitrag von CD8+ T Zellen auf lokale Entzündungen bei AS reguliert wird. Besonderes Augenmerk galt den über HLA B27 vermittelten Antigen-spezifischen Mechanismen.
    Zunächst wurden Peptide aus Proteinen von Chlamydia trachomatis in Patienten mit Chlamydia-getriggerter ReA und AS, sowie Peptide aus Proteinen der extrazellulären Knorpelmatrix bei AS Patienten gesucht, die T Zellen HLA B27-restringiert stimulieren. Das wurde durchflusszytometrisch in CD8+ T Zellen über die Peptid-abhängige Induktion der Produktion von Interferon (IFN)γ sowie über den Nachweis spezifischer T Zellrezeptoren mittels selbst hergestellter HLA B27/Peptid-Tetramere geprüft. Chlamydia Peptid-spezifische CD8+ T Zellen waren nur in geringen Frequenzen in der Synovialflüssigkeit und nicht im peripheren Blut von ReA- und AS Patienten nachweisbar. Vier im Modell mit HLA B27-transgenen Mäusen identifizierte immundominante Aggrecanpeptide bestätigten Aggrecan als mögliches Autoantigen und aus dem Screening weiterer Knorpelproteine ergaben sich 8/97 Peptide, die HLA B27-restringiert CD8+ T Zellen aktivierten. Um diese systemischen Beobachtungen im zellulären Kontext des lokalen Entzündungsgeschehens weiter beurteilen zu können, wurden Methoden zum Nachweis Peptid-spezifischer CD8+ T Zellen in situ etabliert.
    Die Befunde, dass artikuläre Chondrozyten in situ konstitutiv kostimulatorisches CD80 exprimieren und dass proinflammatorisches IFNγ die Expression von HLA B27 induzierte, führte zu der Hypothese, dass Chondrozyten in einer Entzündung im Sinne nicht-professioneller Antigen-präsentierender Zellen lokale CD8+ T Zell-spezifische Immunantworten induzieren und/oder aufrechterhalten können. In einem Modellsystem mit EBNA258-266, einem HLA B27-restringierten immundominanten Peptid aus dem Epstein Barr Virus, wurden Interaktionen von autologen artikulären Chondrozyten mit CD8+ T Zellen in vitro untersucht. In Gegenwart HLA B27+ EBNA258-266 beladener Chondrozyten produzierten HLA B27/EBNA258-266-spezifische CD8+ T Zellen IFN. Die konfokale Laserscanning-Mikroskopie zeigte bei direktem Chondrozyt/T Zell-Kontakt eine Anreicherung von zytolytischem Perforin und Granzym B in den CD8+ T Zellen sowie durch sie lysierte benachbarte Chondrozyten.
    Die Aktivierung zytotoxischer CD8+ T Zellen in Gegenwart eines immunogenen HLA B27-restringierten Peptids legt nahe, dass Chondrozyten im Gelenkknorpel über eine entzündungsabhängige Antigenpräsentation an der Aufrechterhaltung der Entzündung bei AS beteiligt sein könnten. Damit liefern die im Rahmen dieser Arbeit gezeigten Antigen-spezifischen Mechanismen Anhaltspunkte, wie die knorpelabhängige Sukzession der Infiltration von T Zellen in Knochenendplatte und Knorpelgewebe zum Verlauf der Hüftgelenksarthritis von AS Patienten beitragen könnte.
    Gruß Uli

    Gelenke, auch axiale, die du täglich eine halbe Stunde bewegst können nicht über Nacht versteifen.
    Es kommt nicht nur drauf an was wir essen sondern auch was wir nicht essen.

  2. #2
    Registriert seit
    08.2003
    Beiträge
    4.605
    Wer kann uns das jetzt mal ins Laien-Deutsch übertragen und

    um Kais thread nicht überzustrapazieren hier nochmal meine Frage in Bezug auf Bewegung bei Entzündung im Knorpel als HLA B27-Positiver (Meine persönliche Erfahrung: Ja, soviel wie möglich. Bin HLA B27 positiv und seit 35 Jahren MB-Diagnose nicht versteift):

    Tja, gute Frage und was sollen/müssen wir draus folgern. Wenn dem so ist, wird dann kranker Knorpel zu recht entfernt, gesunder zerstört, folgt das ganze einer höheren Weisheit der wir noch nicht folgen können oder ist die gut gemeinte 'Heilung' eine Fehlheilung die direkt in die Versteifung führt?

    Wie verhalten wir uns bei Schmerz und Entzündung richtig? Da gab es hier im Forum schon immer mindestens zwei Meinungen und auch unterschiedliche Erfahrungen. Aber dass man durch zu viel Bewegung die Versteifung forcieren soll höre ich tatsächlich zum ersten mal.

    In allen möglichen Bereichen hat sich die frühe Bewegung durchgesetzt. Bei der Arthroskopie z.B. sind die Nachteile der Schonung grösser als die Gefahren zu früher Bewegung. Selbst bei Knieprothesen ist starke Belastung besser als zu wenig:

    Quelle: ddp/wissenschaft – Rochus Rademacher

    13.03.2010 - Gesundheit
    Gelenkimplantat geht nicht in die Knie

    Knieprothesen halten auch hohen Sportbelastungen stand

    Knieprothesen halten deutlich mehr aus als gedacht: Patienten, die ohne Rücksicht auf ihr künstliches Gelenk wieder Fußball spielen oder Joggen, riskieren nur zu zehn Prozent, dass die Funktionsfähigkeit ihrer Prothese leidet. Das haben Forscher auf der Jahrestagung der American Academy of Orthopaedic Surgeons berichtet. Sie untersuchten über 500 Menschen mit Kniegelenk-Vollersatz sieben Jahre nach der Operation. Verglichen wurden die medizinischen Befunde einer Gruppe sportlich hoch aktiver Patienten mit denen einer Kontrollgruppe, die sich strikt der ärztlichen Schonungsempfehlung unterworfen hatte. Das eingesetzte standardisierte Bewertungsverfahren hat zudem ergeben, dass die künstlichen Knie bei der "Sportgruppe" auch besser funktionierten.

    Den Patienten mit einer so genannten Knie-Endoprothese empfehlen orthopädische Gesellschaften und die Prothesenhersteller, starke Belastungen des größten menschlichen Gelenks zu vermeiden. Dazu zählen Aktivitäten wie etwa Gewichtheben, Joggen, Basketball, Fußball oder Aerobic. "Aktuelle Studien belegen aber, dass sich einer von sechs Patienten nicht an die Ratschläge hält", erklärt Sebastian Paratte von der Université d'Aix et de Marseille. Um festzustellen, welche Konsequenzen den Unbelehrbaren drohen, untersuchte sein Team an der Mayo Clinic in Rochester 218 Patienten im Alter zwischen 18 und 90 Jahren, die ihre Prothese sieben Jahre lang intensiv belasteten. Die Vergleichsgruppe bestand aus 317 Patienten mit den gleichen Implantaten, die aber ihre Aktivitäten eingeschränkt hatten.

    Zur Beurteilung verwendeten die Forscher den eingeführten Knee Society Score: Bei der Knie-Bewertung werden Punkte vergeben für Beweglichkeit, Schmerz und Stabilität, bei der Funktionsbewertung spielen die Gehstrecke, das Treppensteigen und die Verwendung von Gehhilfen eine Rolle. Bei den Kniefunktionen schnitten die Sportler besser ab als die Kontrollgruppe. Diese musste zu 20 Prozent auch öfter zu Kontrollen wegen mechanischer Probleme. Keine Unterschiede traten auf bei dem Vergleich der Festigkeit der Endoprothesen, die über medizinische Aufnahmen kontrolliert wurde. Über alle Bewertungskriterien hinweg ergab sich für die Sportler nur ein zehn Prozent höheres Risiko, durch ihre Aktivitäten die Mechanik zu beeinträchtigen.

    "Wir hatten zwar die Hypothese, dass hohe Belastungen die Implantate kaum in Mitleidenschaft ziehen, aber wir haben nicht vorhergesehen, dass die hohe Beanspruchung die klinischen Werte verbessern würde", berichtet Paratte. Natürlich seien nun genauere Untersuchungen erforderlich, welche Effekte starke Belastungen auf die Stabilität und Funktionalität der Endoprothesen auslösen. Die Hersteller würden ihre Verhaltensempfehlungen jedenfalls vorerst nicht revidieren: "Und so lange sollten die Patienten diese auch befolgen."


    Sebastian Paratte (Université d'Aix et de Marseille, Marseille) et al.; Jahreskongress der
    American Academy of Orthopaedic Surgeons 2010 in New Orleans


    ddp/wissenschaft – Rochus Rademacher
    Gruß Uli

    Gelenke, auch axiale, die du täglich eine halbe Stunde bewegst können nicht über Nacht versteifen.
    Es kommt nicht nur drauf an was wir essen sondern auch was wir nicht essen.

  3. #3
    Registriert seit
    07.2009
    Beiträge
    654
    ich verstehe leider auch nur bahnhof .
    Mach das was alle machen, und hab das was alle haben.

  4. #4
    Registriert seit
    08.2003
    Beiträge
    4.605
    Schade das Lydia keine Zeit hat . Nein, bitte, keine Vorwürflichkeiten. Habe der Autorin mein Anliegen vor zwei Tagen zu Gehör gebracht, leider noch keine Reaktion. Hat Berlin jetzt auch Ferien wie die Hamburger?
    Gruß Uli

    Gelenke, auch axiale, die du täglich eine halbe Stunde bewegst können nicht über Nacht versteifen.
    Es kommt nicht nur drauf an was wir essen sondern auch was wir nicht essen.

  5. #5
    Registriert seit
    08.2003
    Beiträge
    17.174
    Hallo Uli,

    habe eben diesen Artikel gefunden - aber das ist ziemlich schwere Kost um es genau zu übersetzen - ich würde sagen, das ist unmöglich, ich kann nur versuchen, das ganz grob zusammen zu fassen.

    Eigentlich wird gesagt, dass die Knorpelzellen auf ihren HLA-B27-Molekülen verschiedene Bruchstücke von Knorpelmolekülen präsentieren - und auf einige dieser Kombinationen sprechen zytotoxische T-Zellen (spezielle Zellen des Immunsystems) an, indem sie verschiedene Substanzen bilden, die die präsentierenden Knorpelzellen zerstören.

    Nachgewiesen wurde die Zellzerstörung im Reagenzglas aber nicht mit der Kombination Knorpelzelle-HLA-B27-Knorpelmolekül sondern Knorpelzelle-HLA-B27-Molekül aus dem Eppstein-Barr-Virus.

    Es wurde auch getestet, ob diese T-Zell-Reaktion kommt wenn die Knorpel-HLA-B27-Moleküle mit Bakterienbruchstücken aus Chlamydien beladen sind, aber da ist nix passiert.

    Es wäre mal interessant, wie sich das mit Klebsiella-Bruchstücken verhalten würde...

    So, so weit mein Übersetzungsversuch... ich habe sicher noch was übersehen/vergessen aber der Artikel ist wirklich heftig..

    Liebe Grüße

    Lydia

    P.S.: wenn du wieder mal so einen Artikel mit einem großen Fragezeichen hast, schicke mir bitte eine PN damit ich ihn schneller finde auch wenn ich wenig Zeit habe
    Lächle in die Welt - und die Welt lächelt zurück!

  6. #6
    Registriert seit
    08.2003
    Beiträge
    4.605

    Alles in die Tonne treten?

    Quelle:


    • Feng Yue (University of California, San Diego) und The Mouse ENCODE Consortium, Nature, doi: 10.1038/nature13992

    © wissenschaft.de - Nadja Podbregar
    19.11.2014

    Leben und Umwelt - Genforschung
    Von Mäusen und Menschen


    Seit mehr als einem Jahrhundert ist die Maus das Tier, das am häufigsten in Experimenten für den Menschen einstehen muss. Viele medizinische Erkenntnisse und Therapien sind ihr zu verdanken. Doch genauso gibt es auch unzählige Wirkstoffe, die im Mausversuch vielversprechend scheinen, dann aber beim Menschen versagen. Warum das so ist, zeigen nun die Ergebnisse des Mouse ENCODE-Projekts, das erstmals die Kontrollzentren der Genregulation bei der Maus entschlüsselt hat. Demnach teilen wir zwar viele unserer proteinkodierenden Gene mit dem kleinen Nagetier, aber die Regulation dieser Gene ist zwischen Maus und Mensch fundamental verschieden.
    Mensch und Maus sind bestenfalls entfernte Cousins, ihre Stammeslinien trennten sich immerhin bereits vor rund 75 Millionen Jahren. Dennoch teilen wir mit dem Nager rund 70 Prozent unserer proteinkodierenden Gene - DNA-Sequenzen, die den Code für die wichtigsten Akteure im Zellgeschehen enthalten. Allerdings: Diese Gene machen nur rund 1,5 Prozent des gesamten Erbguts beider Organismen aus. Der große Rest entfällt auf DNA-Wiederholungen und auf Abschnitte, die lange Zeit als funktionslos galten, sich aber inzwischen als wichtige Kontrollzentren der Genaktivität erwiesen haben. Denn diese Abschnitte haben einen großen Einfluss darauf, welche der proteinkodierenden Gene wann aktiv sind, wie man heute weiß. In diesen Bereichen vermuteten Forscher auch eine Erklärung dafür, warum der Mäuseorganismus in Experimenten auch dann manchmal anders reagiert, wenn die betroffenen Gene bei Maus und Mensch identisch sind.
    2007 begann ein internationales Konsortium von Forschern aus aller Welt daher mit dem Projekt Mouse ENCODE (Encyclopedia of DNA Elements). Dafür analysierten die Wissenschaftler die Genaktivität in 124 verschiedenen Arten von Mäusegeweben und Zellen. Sie erzeugten mehr als 1.000 Datensätze, die zeigten, welche Gene aktiv waren und abgelesen wurden, wo spezifische Proteine an die DNA banden und wo die DNA repliziert wurde. Die nun in gleich vier Fachartikeln veröffentlichten Ergebnisse dieses Projekts enthüllen zwar einige Gemeinsamkeiten von Maus und Mensch, vor allem aber weitreichende Unterschiede.
    Unterschiede im Wie und Warum

    "Es gibt eine substanzielle Anzahl von Mäusegenen, die auf ganz andere Weise reguliert werden als ihre Gegenparts beim Menschen", berichtet Bing Ren von der University of California in San Diego, einer der ENCODE-Forscher. "Und diese Unterschiede sind nicht zufällig, sie konzentrieren sich entlang bestimmter Stoffwechselwege, beispielsweise in Genen, die das Immunsystem regulieren." So ähneln sich viele Kontrollprogramme, die Kernprozesse im Zellinneren steuern, wie beispielsweise die Produktion von Proteinen. Große Abweichungen finden sich dagegen in der Aktivität von Genen, die Prozesse an der Zelloberfläche regulieren und damit Einfluss auf die Zellkommunikation, das Immunsystem und andere zellübergreifende Funktionen haben, wie die Forscher erklären.
    Besonders überraschend: Die Unterschiede sind teilweise sogar so groß, dass sich so unterschiedliche Mausgewebe wie Gehirn und Darm in Bezug auf ihre Genaktivtät mehr gleichen als beispielsweise das Hirngewebe von Mensch und Maus. Die Genregulation ist demnach entgegen vorhergehender Annahmen mehr artspezifisch als gewebespezifisch. Zudem binden viele Moleküle, die das Ablesen der Gene steuern, bei der Maus an ganz anderen Stellen im Genom als beim Menschen. Rund die Hälfte der bei der Maus existierenden Bindungsstellen gibt es beim Menschen nicht, wie die ENCODE-Forscher herausfanden. Die Evolution setzte demnach an diesen Komponenten unserer Zellbiologie stärker an als den relativ gut konservierten proteinkodierenden Genen.
    Nach Ansicht der Forscher könnten die neuen Erkenntnisse dazu beitragen, die medizinische Forschung künftig effektiver zu machen. "Lange Zeit galt die Annahme, dass alles, was bei der Maus entdeckt wurde, auch beim Menschen gilt, aber das stimmt nicht", sagt Ren. Dank der Ergebnisse von Mouse ENCODE wisse man nun besser, wo genau sich Maus und Mensch unterscheiden. Das hilft dabei, künftig Versuche mit Mäusen gezielter zu planen und in einigen Bereichen dann lieber auf andere Methoden auszuweichen.

    Quelle:


    • Feng Yue (University of California, San Diego) und The Mouse ENCODE Consortium, Nature, doi: 10.1038/nature13992

    © wissenschaft.de - Nadja Podbregar
    19.11.2014
    Gruß Uli

    Gelenke, auch axiale, die du täglich eine halbe Stunde bewegst können nicht über Nacht versteifen.
    Es kommt nicht nur drauf an was wir essen sondern auch was wir nicht essen.

  7. #7
    Registriert seit
    08.2003
    Beiträge
    17.174
    Dazu passt, was ich im Septemberheft vom Spektrum der Wissenschaft gelesen habe:

    Untersuchungen in der Petri-Schale laufen oft ganz anders als real im Körper. Ein Beispie: ein natürliche Killerzelle braucht in der Petri-Schale 20 Minuten, um eine infizierte Zelle abzutöten.... im Körper sind es über 6 Stunden....

    Herausgefunden hat man das mit einer ganz neuen Mikroskopiertechnik - am lebenden Objekt! Dazu werden bestimmte Zellen mit einem Fluoreszenzfarbstoff markiert. Das Mikroskop arbeitet dann mit Laserlicht, dass den Farbstoff zum Leuchten bringt. Das kann man auch durch die Haut oder Schleimhaut durch mit dem Spezialmikroskop sehen. So haben die Forscher z.B. schon beobachtet, wie Immunzellen Brust- oder Prostatakrebszellen angegriffen haben.

    Ich finde das total spannend! Endlich sieht man mal 'live' wie das abläuft. Auch Tumormetastasenzellen in oberflächlichen Blutgefäßen können so entdeckt werden - und eine spezielle Form dieses Mikroskops kann mit einem Trick so hoch auflösen, dass man einzelne Proteine erkennen kann...

    Mal sehen, wie das weiter geht!

    Liebe Grüße

    Lydia
    Lächle in die Welt - und die Welt lächelt zurück!

  8. #8
    Registriert seit
    11.2011
    Beiträge
    1.824
    Hallo Lydia,
    du meinst bestimmt das Hell`sche STED Mikroskop. Er hat seinen Nobelpreis wahrlich verdient.
    Aber die Mäuse Sache ist schon sehr interessant. Es wird von Tierversuchs-Gegnern immer argumentiert, die Ergebnisse seinen auf den Menschen nicht übertragbar und das stimmt halt nur zu Teilen.
    Alternativen dazu sind ja in Arbeit, aber auch nur bedingt aussagefähig. Mit reproduzierbaren Stammzellen kann man keine Hirnforschung betreiben, in vitro keine neuronalen Netzwerke darstellen usw.
    Es sind da wirklich sehr große Fortschritte gemacht worden in Bezug auf Übertragbarkeit von sogenannten "Modell-Organismen" auf den Menschen. Am spannendsten finde ich jedoch, wie immer wieder festgestellt wird wie wenig man im Grunde doch weiss....Und das ist gut so.
    Grüßle
    Aorta
    Gesundheit ist besser als Krankheit, wenn auch nur aus körperlichen Gründen.
    ( frei nach Woody Allen)

  9. #9
    Registriert seit
    12.2004
    Beiträge
    5.399
    ..ja, toll, wenn das die einzig wahre Erkenntnis ist...



  10. #10
    Registriert seit
    12.2004
    Beiträge
    5.399
    Mich hat, die offenbar neue(?) Erkenntnis mal kurz zum Grübeln gebracht, dass eine rheumatischer Krankheit schon Jahre bevor sie sich bemerkbar macht, offenbar ausbricht. Da müsste ich dann in meiner Biographie weiter zurückgehen. Dann wann ich mit dem Rauchen (leider sehr früh) begonnen hatte? War halt schon der dümmste aller dummen Fehler, die man so macht.. *kopfschüttel* - wobei man halt nie wissen wird, ob die Krankheit auch als Nichtraucher ausgebrochen wäre.

    Gruss Soltar



  11. #11
    Registriert seit
    08.2003
    Beiträge
    17.174
    du meinst bestimmt das Hell`sche STED Mikroskop
    Hallo Aorta,

    ich glaube das meine ich nicht. Es geht um Fluoreszenzmikroskopie und Superresolutionsmikroskopie, entwickelt am UCSF.

    Guckst du hier:

    Breart, B. et al.: Two-Photon Imaging of Intratumoral CD8+
    T Cell Cytotoxic Activity during Adoptive T Cell Therapy in Mice.
    In: Journal of Clinical Investigation 118, S. 1390 – 1397, 2008

    Engelhardt, J. J. et al.: Marginating Dendritic Cells of the Tumor
    Microenvironment Cross-Present Tumor Antigens and Stably
    Engage Tumor-Specific T Cells. In: Cancer Cell 21, S. 402 – 417, 2012

    Pageon, S. V. et al.: Superresolution Microscopy Reveals Nanometer-
    Scale Reorganization of Inhibitory Natural Killer Cell Receptors upon
    Activation of NKG2D. In: Science Signaling 6, S. ra62, 2013

    Liebe Grüße

    Lydia
    Lächle in die Welt - und die Welt lächelt zurück!

  12. #12
    Registriert seit
    08.2003
    Beiträge
    4.605

    Alkoholverträglichkeit seit Jahrmillionen

    Quelle:


    Originalarbeit der Forscher:



    • PNAS, doi: doi/10.1073/pnas.1404167111

    © wissenschaft.de - Martin Vieweg
    01.12.2014

    Nahrungsbestandteil, Genussmittel, Rauschgift: Die Bedeutung von Alkohol für den Menschen ist groß und facettenreich. Doch warum und seit wann kann der Mensch diese prominente Substanz überhaupt vertragen? Eine Studie legt nun nahe, dass die Wurzeln der Alkoholverträglichkeit erstaunlich tief in unsere Entwicklungsgeschichte reichen: zehn Millionen Jahre - bis zu den gemeinsamen Vorfahren von Mensch, Schimpanse und Gorilla. Vermutlich bildeten damals vergorene Früchte den Anstoß für die Entwicklung der effektiven Enzyme zum Alkoholabbau.
    Der umgangssprachlich benutzte Begriff Alkohol bezeichnet eigentlich nur eine bestimmte Substanz aus der Gruppe der Alkohole: das Ethanol. Alkohole sind chemische Verbindungen, die eine oder mehrere an Kohlenstoffatome gebundene Hydroxygruppen (–O–H) besitzen. Ethanol ist bekanntlich in einschlägigen Getränken enthalten. Diese Alkoholform wird von Hefen bei der Gärung aus Zuckerstoffen gebildet. Als Werkzeuge zum Abbau der verschiedenen Alkoholformen besitzen Lebewesen die sogenannten Alkoholdehydrogenasen. Diese Enzyme ermöglichen die Umwandlung der Substanzen in verträgliche Stoffwechselprodukte. Dem Menschen ermöglichen Alkoholdehydrogenasen den Abbau des eigentlich toxischen Ethanols.
    Bereits vor der gezielten Alkoholherstellung

    Bisher wurde vermutet, dass sich die effektiven Alkoholdehydrogenasen des Menschen erst mit dem Aufkommen der Vorratshaltung und der gezielten Alkoholproduktion entwickelt haben – vor etwa 9.000 Jahren. Doch die Ergebnisse der Forscher um Matthew Carrigan von der Indiana University School of Medicine in Indianapolis erweitern den Zeitrahmen nun offenbar drastisch. Sie sind der Entwicklungsgeschichte der Alkoholdehydrogenasen erstmals mit Mitteln der Genetik und Proteinanalytik systematisch nachgegangen.
    Sie erfassten dazu die Erbanlagen für Alkoholdehydrogenasen von 28 Säugetierarten, darunter 17 Primaten. Die Analyseergebnisse dieser Informationen ließen Rückschlüsse darauf zu, wann sich welche Formen der Enzyme in der Evolutionsgeschichte der Primaten herausgebildet haben. Aus den genetischen Informationen konnten die Forscher dann Modelle der Proteine entwickeln, deren Baupläne die Erbanlagen repräsentieren. Anhand der Merkmale der modellierten Alkoholdehydrogenasen waren anschließend Rückschlüsse über deren Effektivität beim Abbau von Ethanol möglich.
    Die vergorene Früchte waren es!

    Unterm Strich kamen Carrigan und seine Kollegen zu dem Ergebnis: Die genetische Mutation, die zu einer gesteigerten Fähigkeit zum Ethanol-Abbau führte, entstand vor etwa zehn Millionen Jahren. Den Forschern zufolge bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die damaligen Vertreter unseres Stammbaumes erstmals begannen, größere Mengen Alkohol zu sich zu nehmen. Vermutlich sei dies auf einen wichtigen Schritt in der Entwicklungsgeschichte der Menschenaffen zurückzuführen: Unsere entfernten Ahnen verließen zunehmend die Baumkronen, um Nahrung am Boden zu suchen. Und dort fanden sie vermutlich häufig bereits vergorene Früchte.

    Originalarbeit der Forscher:


    • PNAS, doi: doi/10.1073/pnas.1404167111

    © wissenschaft.de - Martin Vieweg
    01.12.2014


    _________________________


    Tja, da wurde immer wieder spekuliert wie wir von den Bäumen in die Savanne und zum aufrechten Gang, und danach zum Läufer geworden sind.
    ERSTwaren wir Säufer, und nur die die überlebten wenn sie besoffen von den Bäumen runter fielen, nicht wieder raufkamen und sogar noch vor den Feinden weglaufen konnten ...
    Da bekommt das unter Evolutionsbiologen beschriebene Phänomen vom Flaschenhalsprinzip ja eine ganz neue Bedeutung.
    Geändert von Uli Dörwald (02.12.2014 um 11:58 Uhr)
    Gruß Uli

    Gelenke, auch axiale, die du täglich eine halbe Stunde bewegst können nicht über Nacht versteifen.
    Es kommt nicht nur drauf an was wir essen sondern auch was wir nicht essen.

  13. #13
    Registriert seit
    11.2004
    Beiträge
    1.750
    Angst vor Schmerzen hat auch Vorteile. Also passt auf, was ihr sagt, ich vergesse nichts.


    Studie: Schmerzen verbessern das Gedächtnis



    Aktualisiert 21. Januar 2015 19:30 Uhr


    schließen
    PDF

    (http://community.zeit.de/recommendation/remote?url=/news/2015-01/21/wissenschaft-studie-schmerzen-verbessern-das-gedaechtnis-21193013)




    Speichern
    Mailen (http://community.zeit.de/recommendation/remote?url=/news/2015-01/21/wissenschaft-studie-schmerzen-verbessern-das-gedaechtnis-21193013)
    Drucken
    Twitter
    Facebook
    Google +




    New York (dpa) - Angst vor Schmerzen kann schwache Erinnerungen rückwirkend verstärken. Das konnten US-amerikanische Forscher in einem Experiment mit leichten Stromstößen nachweisen.
    Sie zeigten, wie scheinbar belanglose Informationen sich ins Gedächtnis einprägen, wenn sie durch ein darauffolgendes, bewegendes Ereignis Bedeutung erlangen. Die Studie ist im Fachjournal "Nature" veröffentlicht.
    ANZEIGE



    Fast ununterbrochen prasseln Eindrücke und Informationen auf uns ein - das meiste davon ist nicht weiter bedeutsam und wird nur schwach abgespeichert. Hier setzt die Studie der Wissenschaftler um Elizabeth Phelps von der Universität New York an.
    Die Forscher präsentierten mehr als 100 Probanden nacheinander drei Sätze von jeweils 60 verschiedenen Bildern aus zwei Kategorien: die eine Hälfte der Bilder zeigte Tiere, die andere Werkzeuge. Unangenehm wurde es für die Teilnehmer beim Betrachten der Bilder aus dem zweiten Satz: Sie bekamen dabei einen Stromstoß an den Handgelenken. So wurden die Bilder für die Probanden emotional bedeutsam.
    Anschließend prüften die Forscher, wie gut sich die Probanden an die Bilder erinnerten. Dabei zeigte sich: Waren einige der Tierbilder mit Elektroschocks gekoppelt, so konnten sich die Teilnehmer an alle Tierbilder besser erinnern - auch an jene, die sie vor den Stromstößen gesehen hatten. Gleiches galt für die Werkzeugbilder.
    Scheinbar unbedeutende Informationen - die belanglosen Bilder - wurden also durch ein nachfolgendes Ereignis - den Elektroschock - rückwirkend erinnernswert gemacht, wie die Forscher schreiben. "Diese Erkenntnisse zeigen, wie anpassungsfähig unser Erinnerungssystem ist. Augenscheinlich können wir damit nicht nur in die Vergangenheit reisen und vergangene Ereignisse aufrufen, sondern auch vorhandene Erinnerungen mit wichtigen neuen Details aktualisieren", erklären die Forscher in einer Mitteilung der Universität New York.
    Die vorliegende Studie liefert laut "Nature" den ersten Hinweis auf einen solchen rückwirkenden Lernprozess beim Menschen. Weitere Studien sollten untersuchen, was die vorliegenden Erkenntnisse beispielsweise für Angst- und Traumapatienten bedeuten. Außerdem gelte es, dem zugrundeliegenden Mechanismus im Hirn nachzuspüren.
    "Es ist vorstellbar, dass ein ähnlicher Prozess auch durch positive Stimulierung hervorzurufen wäre", erklärt die Psychologin Julia Arnhold aus Berlin, "beispielsweise durch Lob. Damit wäre das ethische Problem der Schmerzreize umgangen. Außerdem können negative Emotionen, wie sie durch Schmerz hervorgerufen werden, wenn sie zu stark sind, auch kontraproduktiv auf die Gedächtnisleistung wirken. Bis zu einer möglichen praktischen Anwendung der vorliegenden Erkenntnisse ist es in jedem Fall noch ein weiter Weg."



  14. #14
    Registriert seit
    11.2004
    Beiträge
    1.750
    Angst vor Schmerzen hat auch Vorteile. Also passt auf, was ihr sagt, ich vergesse nichts.

    Bericht folgt

  15. #15
    Registriert seit
    11.2004
    Beiträge
    1.750
    Focus 22.1.15
    Neue Studie
    Wenn Erinnern schwerfällt, helfen Schmerzen

    Angst vor Schmerzen kann schwache Erinnerungen rückwirkend verstärken. Das konnten US-amerikanische Forscher in einem Experiment mit leichten Elektroschocks nachweisen. Ein erster Hinweis ersten auf einen rückwirkenden Lernprozess beim Menschen.

    Sie zeigten, wie scheinbar belanglose Informationen sich ins Gedächtnis einprägen, wenn sie durch ein darauffolgendes, bewegendes Ereignis Bedeutung erlangen. Die Studie ist im Fachjournal „Nature“ (http://www.nature.com/)veröffentlicht.
    Fast ununterbrochen prasseln Eindrücke und Informationen auf uns ein - das meiste davon ist nicht weiter bedeutsam und wird nur schwach abgespeichert. Hier setzt die Studie der Wissenschaftler um Elizabeth Phelps von der Universität New York (http://www.focus.de/orte/new-york/)an.
    Drei Sätze von jeweils 60 verschiedenen Bildern

    Die Forscher präsentierten mehr als 100 Probanden nacheinander drei Sätze von jeweils 60 verschiedenen Bildern aus zwei Kategorien: die eine Hälfte der Bilder zeigte Tiere, die andere Werkzeuge. Unangenehm wurde es für die Teilnehmer beim Betrachten der Bilder aus dem zweiten Satz: Sie bekamen dabei einen Stromstoß an den Handgelenken. So wurden die Bilder für die Probanden emotional bedeutsam.
    Anschließend prüften die Forscher, wie gut sich die Probanden an die Bilder erinnerten. Dabei zeigte sich: Waren einige der Tierbilder mit Elektroschocks gekoppelt, so konnten sich die Teilnehmer an alle Tierbilder besser erinnern - auch an jene, die sie vor den Stromstößen gesehen hatten. Gleiches galt für die Werkzeugbilder.
    Ereignisse durch Elektroschocks erinnernswert gemacht

    Scheinbar unbedeutende Informationen - die belanglosen Bilder - wurden also durch ein nachfolgendes Ereignis - den Elektroschock - rückwirkend erinnernswert gemacht, wie die Forscher schreiben. „Diese Erkenntnisse zeigen, wie anpassungsfähig unser Erinnerungssystem ist. Augenscheinlich können wir damit nicht nur in die Vergangenheit reisen (http://www.focus.de/thema/reisen/)und vergangene Ereignisse aufrufen, sondern auch vorhandene Erinnerungen mit wichtigen neuen Details aktualisieren“, erklären die Forscher in einer Mitteilung der Universität New York.
    Angst- und Traumapatienten könnten profitieren

    Die vorliegende Studie liefert laut „Nature“ (http://www.nature.com/)den ersten Hinweis auf einen solchen rückwirkenden Lernprozess beim Menschen. Weitere Studien sollten untersuchen, was die vorliegenden Erkenntnisse beispielsweise für Angst- und Traumapatienten bedeuten. Außerdem gelte es, dem zugrundeliegenden Mechanismus im Hirn nachzuspüren.
    „Es ist vorstellbar, dass ein ähnlicher Prozess auch durch positive Stimulierung hervorzurufen wäre“, erklärt die Psychologin Julia Arnhold aus Berlin, „beispielsweise durch Lob. Damit wäre das ethische Problem der Schmerzreize umgangen.

  16. #16
    Registriert seit
    06.2007
    Beiträge
    1.696
    Ich nehme dann aber die positive Verstärkung durch Lob anstelle des Stromschlags!
    Reserviere jeden Tag eine halbe Stunde für deine Sorgen und mach in der Zeit ein Nickerchen.

  17. #17
    Registriert seit
    11.2011
    Beiträge
    1.824
    Das hast du jetzt sehr aber wirklich sehr schön formuliert. Du bist einfach äußertst emphatisch...
    Grüßle
    Aorta
    Gesundheit ist besser als Krankheit, wenn auch nur aus körperlichen Gründen.
    ( frei nach Woody Allen)

  18. #18
    Registriert seit
    08.2003
    Beiträge
    4.605

    Geschlechtsspezifische Unterschiede bei chronischen Schmerzen

    Ihr Schmerz und sein Schmerz sind anders


    Bleiern liegt er auf der Lebensfreude: Chronischer Schmerz ist eine Plage der Menschheit und deshalb Gegenstand intensiver Forschung. Erstaunlicherweise wirft nun eine aktuelle Studie noch einmal neues Licht auf die Grundlagen der Schmerzentwicklung: Chronischer Schmerz entsteht demnach bei beiden Geschlechtern unterschiedlich, legen Untersuchungen an Mäusen nahe. Dieses Ergebnis könnte nun die Schmerzforschung und Medikamentenentwicklung nachhaltig beeinflussen, sagen die Forscher.

    Die Studie des Teams um Jeffrey Mogi McGill von der University in Montreal knüpfte an die Annahme an, dass bei der Entstehung von Schmerz eine bestimmte Art von Immunzellen eine zentrale Rolle spielen: die Mikroglia. Sie vermitteln dem Nervensystem die Schmerzinformation, die durch Verletzungen oder Entzündungen hervorgerufen werden. Um dieses System weiter zu erforschen, führten die Wissenschaftler Untersuchungen an Mäusen durch. Im Einklang mit der Theorie stellten sie fest: Wenn sie die Funktion der Mikroglia künstlich hemmten, zeigten ihre Versuchstiere eine höhere Toleranz gegenüber Schmerzen, die durch Entzündungen oder Nervenreizungen verursacht wurden. Doch nun kommt der Knackpunkt: Diesen Effekt stellten sie nur bei männlichen Tieren fest – bei weiblichen Mäusen senkte die Hemmung der Mikroglia das Schmerzempfinden nicht.
    Ergebnisse sind vermutlich übertragbar

    Dieser Geschlechtsunterschied ist offenbar an die Wirkung des männlichen Hormons Testosteron gekoppelt, fanden die Forscher heraus. Weitere Untersuchungen erbrachten dann Hinweise darauf, dass bei weiblichen Mäusen die B-und T-Zellen des Immunsystems die Funktion übernehmen, die bei den Männchen die Mikroglia ausüben. "In den vergangenen 15 Jahren haben Wissenschaftler vermutet, dass Mikroglia am Regelknopf von Schmerzen sitzen, doch diese Schlussfolgerung basierte fast ausschließlich auf Forschung mit männlichen Mäusen", sagt Mogil.
    Da grundlegende Körperfunktionen wie Schmerzempfinden bei Säugetieren in der Regel auf gleichen Grundprinzipien beruhen, sind die Ergebnisse bei den Mäusen vermutlich auch auf den Menschen übertragbar, sagen die Wissenschaftler. „Die Forschung hat gezeigt, dass Männer und Frauen unterschiedliche Schmerzempfindlichkeit besitzen und dass Frauen häufiger unter chronischen Schmerzen leiden als Männer", sagt Mogli. Als Ursache für diesen Unterschied wurden bisher allerdings keine grundlegend anderen Funktionen angenommen. „Die Möglichkeit, dass die biologische Grundlage für Schmerz bei Männern und Frauen so anders sein könnte, wirft nun wichtige wissenschaftliche und ethische Fragen auf", so der Forscher.
    Bedeutung für die Medikamentenentwicklung

    Co-Autor Michael Salter von der University of Toronto betont in diesem Zusammenhang die große Bedeutung der Ergebnisse für die Medikamentenforschung: "Das Verständnis der Geschlechtsunterschiede bei den Signalwegen von Schmerzen ist absolut notwendig für die Entwicklung gezielt wirkender Schmerzmittel". Denn bisher werden viele Arzneimittelstudien nur an Männern durchgeführt. Generell scheint aus der Studie auch eine grundlegende Botschaft für die Forschung hervorzugehen: Es sollte mehr auf mögliche geschlechtsspezifische Effekte geachtet werden – was für Mäusemänner gilt, muss nicht unbedingt auch für Mäusedamen gelten.
    Originalarbeit der Forscher:


    © wissenschaft.de - Martin Vieweg
    29.06.2015
    Gruß Uli

    Gelenke, auch axiale, die du täglich eine halbe Stunde bewegst können nicht über Nacht versteifen.
    Es kommt nicht nur drauf an was wir essen sondern auch was wir nicht essen.

  19. #19
    Registriert seit
    08.2003
    Beiträge
    4.605

    Fischölkapseln gegen Schizophrenie

    Tolle Nebenwirkung

    Omega-3 Fettsäuren gelten als wahre Gesundmacher: Sie beugen Herzinfarkten vor, schützen die Gefäße und stärken das Gehirn. Jetzt haben Forscher eine weitere positive Wirkung dieser ungesättigten Fette nachgewiesen: Sie können sogar den Ausbruch einer Schizophrenie verhindern. In einer Langzeitstudie bewahrte eine zwölfwöchige Einnahme von Fischölkapseln junge, psychisch vorbelastete Patienten davor, in die manifeste Psychose abzugleiten. Auch die psychischen Symptome besserten sich merklich. Die Omega-3 Fettsäuren könnten damit eine schonende Alternative zu Psychopharmaka sein, meinen die Forscher.

    Schizophrenie ist häufiger als man denkt: Etwa ein Prozent der Bevölkerung sind betroffen, allein in Deutschland gibt es rund 800.000 Schizophrenie-Kranke. Damit treten schizophrene Psychosen nach Angaben des Aktionsbündnisses seelische Gesundheit
    immerhin fast genauso häufig auf wie ein insulinpflichtiger Diabetes. Typischerweise entwickelt sich die Schizophrenie schleichend und kündigt sich oft schon während der Pubertät mit bestimmten psychischen Symptomen an. "Dieses klinische Syndrom wird als mentaler Zustand mit hohem Schizophrenie-Risiko eingestuft", erklären Paul Amminger von der University of Melbourne und seine Kollegen. Kommen im jungen Erwachsenenalter dann Faktoren wie genetische Veranlagung, psychosozialer Stress oder Drogenkonsum hinzu, bricht die Krankheit aus. Sie äußert sich in Wahnvorstellungen und Halluzinationen, aber auch in kognitiven Problemen und einer gestörten Selbstwahrnehmung. Bisher gibt es für diese Krankheit kein Heilmittel, Behandlungen unter anderem mit Psychopharmaka können die Symptome nur kontrollieren und abschwächen, wie die Forscher berichten.
    Doch jetzt gibt es möglicherweise Hoffnung auf eine schonendere und wirksamere Behandlung – mit einem Naturstoff. Amminger und seine Kollegen haben in einer über sieben Jahre laufenden Langzeitstudie untersucht, ob und wie gut langkettige mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren den Ausbruch einer Schizophrenie bei Risikopatienten verhindern kann. An ihr nahmen 81 Teilnehmer im Alter von 13 bis 25 Jahren mit einer diagnostizierten Vorstufe der Schizophrenie teil. 41 dieser Probanden erhielten zwölf Wochen lang täglich eine Fischölkapsel mit 700 Milligramm Eicosapentaensäure und 480 Milligramm Docosahexaensäure. 40 weitere Probanden im gleichen psychischen Zustand bekamen stattdessen ein Placebo - ohne dass sie oder die Experimentatoren wussten, wer was erhielt. Während der Einnahmezeit sowie ein halbes Jahr, ein Jahr und seine Jahre nach deren Ende wurde der psychische Zustand der Teilnehmer untersucht.
    Eine Alternative zu Psychopharmaka?

    Das Ergebnis fiel überraschend deutlich aus: In der Placebogruppe hatten 40 Prozent der Probanden innerhalb der sieben Jahre eine manifeste Schizophrenie entwickelt – dies entspricht etwa dem Durchschnitt. Bei den mit Omega-3-Fettsäuren Behandelten waren es jedoch nur 9,8 Prozent, wie die Forscher berichten. Auch die generellen psychischen Symptome und die Fähigkeit, im Alltag zu funktionieren, besserten sich: "Die Mehrheit der Teilenehmer aus der Omega-3-Gruppe hatte am Ende der Studienperiode einen Vollzeitjob, zeigte keine schweren funktionellen Einschränkungen und erlebte keine psychotischen Symptome mehr", berichten Amminger und seine Kollegen. Bei denen, die dann doch eine Psychose entwickelten, geschah dies zudem sehr viel später als bei denen in der Placebogruppe.
    "Dies ist unseres Wissens nach der erste Beleg dafür, dass eine Behandlung mit Omega-3-Fettsäuren den Übergang zu einer voll ausgeprägten psychotischen Erkrankung verhindern kann", konstatieren die Forscher. "Dies weckt Hoffnung, dass es Alternativen für eine Behandlung mit Psychopharmaka gibt." Noch ist nicht klar, wie genau die Omega-3-Fettsäuren wirken. Tierversuche deuten jedoch darauf hin, dass diese Antioxidantien positiv auf krankhafte Veränderungen in den neurochemischen Prozessen des Gehirns wirken. Bei der Schizophrenie finden diese vor allem während der Pubertät statt. "Unsere Ergebnisse sind konsistent mit der Vorstellung, dass eine Intervention während dieser kritischen Phase die Entwicklung umlenken kann", so die Forscher. Noch müssen die Ergebnisse durch Studien mit einer größeren Zahl von Teilnehmern bestätigt werden. Dennoch sehen die Forscher in den Omega-3-Fettsäuren eine gute Chance, junge Menschen mit einem hohen Schizophrenie-Risiko vor dem Abgleiten in die Psychose zu bewahren – und dies ohne Einsatz von Psychopharmaka und deren schwerwiegenden Nebenwirkungen.
    Quelle:


    © wissenschaft.de - Nadja Podbregar
    11.08.2015
    Gruß Uli

    Gelenke, auch axiale, die du täglich eine halbe Stunde bewegst können nicht über Nacht versteifen.
    Es kommt nicht nur drauf an was wir essen sondern auch was wir nicht essen.

  20. #20
    Registriert seit
    08.2003
    Beiträge
    4.605

    Ob da mal was für uns abfällt?

    Quelle: SPON vom 1.10. 15


    1000-Genomes-Projekt: Erbgut von 2500 Menschen entziffert

    Was unterscheidet Menschen genetisch voneinander? Und welche Erbgut-Regionen hängen mit welchen Krankheiten zusammen? Das 1000-Genomes-Projekt soll Antworten liefern, es ist jetzt offiziell abgeschlossen.




    Das 1000-Genomes-Projekt hat sein im Jahr 2008 gestecktes Ziel längst erreicht: Schon vor einigen Jahren hatten mehr als hundert Forscher aus zahlreichen Ländern in einer Gemeinschaftsarbeit das Erbgut von mehr als tausend Menschen aus aller Welt entschlüsselt. Mittlerweile haben sie die Abfolge der Genbausteine in der DNA von insgesamt 2500 Menschen ermittelt. Ihre Ergebnisse veröffentlichen sie jetzt in zwei Studien im Fachmagazin "Nature".


    Insgesamt speise die Studie Daten von 2500 Menschen aus 14 Bevölkerungsgruppen und vier Kontinenten in die öffentlich zugängliche Datenbank des Projekts ein, berichtet der Forscherverbund. Mit der Veröffentlichung der beiden Studien sehen die Wissenschaftler das Projekt nun als beendet an. "Die Datenbank ist enorm wichtig für die wissenschaftliche Community. Wir überlassen die Daten jetzt der Wissenschaft, etwa den Forschern, die nach den genetischen Grundlagen von Krankheiten suchen", sagt Studienleiter Jan Korbel vom Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg. "200 Gene verzichtbar"
    Im Großen und Ganzen ist das Genom aller Menschen identisch. Dennoch gibt es zwischen zwei beliebigen Individuen mehrere Millionen meist kleine Erbgutunterschiede. Eine Überraschung für die Forscher: Viele Gene im menschlichen Erbgut sind laut den Daten für das Funktionieren des Körpers verzichtbar. "Wir waren überrascht, mehr als 200 Gene zu entdecken, die in einigen Menschen überhaupt nicht vorhanden sind", sagte Korbel.
    Die Daten zeigen darüber hinaus, dass es noch bislang unbekannte Wege geben muss, über die Gene sich verändern, also mutieren. Auch erhoffen sich die Forscher weitere Erkenntnisse darüber, welche Regionen des Erbguts eine Rolle bei der Entstehung von Krankheiten spielen.
    Knapp 85 Millionen der insgesamt mehr als 88 Millionen entdeckten genetischen Variationen betreffen nur jeweils einen Baustein. In 3,6 Millionen Fällen waren kleinere Erbgutabschnitte hinzugefügt worden oder verschwunden. Nur 60.000 der gefundenen Abweichungen umfassen größere Abschnitte des Genoms - aber der Einfluss dieser strukturellen Variationen auf die Aktivität von Genen und die Bildung von Proteinen ist sehr viel größer. Die größte genetische Variabilität fanden die Forscher bei Menschen afrikanischen Ursprungs. Da sich der moderne Mensch von Afrika ausgehend um die Welt ausgebreitet hat, sei dies zu erwarten gewesen, so die Forscher.
    Internationales Mammutprojekt


    Von europäischer Seite war das EMBL in Heidelberg maßgeblich an dem Projekt beteiligt. Auch Forscher des Max-Planck-Instituts für Molekulare Genetik in Berlin entzifferten mit. Die Wissenschaftler sammelten und analysierten Genome aus 26 Populationen - etwa von den Yoruba aus Nigeria, Han-Chinesen, Tamilen aus Sri Lanka, Peruanern und europäischen Subpopulationen in Großbritannien, Italien sowie Finnland. "Wir können jetzt Tipps geben, wonach Forscher schauen sollen, wenn sie versuchen, die genetische Grundlage einer bestimmten Krankheit zu verstehen", sagt Bioinformatiker Oliver Stegle, der an einem Außeninstitut des EMBL im britischen Hinxton bei Cambridge arbeitet.
    Wertvoll für die Wissenschaft sind nach Expertenansicht vor allem die Sequenzdaten von Menschen afrikanischer Herkunft. Die neuen Erkenntnisse böten eine weit umfassendere Sicht auf die normalen genetischen Variationen im Menschen als die bisherige, eurozentrische Sichtweise, schreiben Ewan Birney vom EMBL in Hinxton und Nicole Soranzo vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton in einem Kommentar. Dies werde auch kostengünstige genetische Studien ermöglichen, die sich auf die afrikanischen Populationen südlich der Sahara konzentrieren.

    khü/dpa
    Gruß Uli

    Gelenke, auch axiale, die du täglich eine halbe Stunde bewegst können nicht über Nacht versteifen.
    Es kommt nicht nur drauf an was wir essen sondern auch was wir nicht essen.

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. Neuste Forschung
    Von Sagitta im Forum Diagnose / Therapie / Medikamente
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 27.09.2008, 23:44
  2. Neues MRT
    Von Babe23 im Forum Diagnose / Therapie / Medikamente
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 31.05.2008, 12:56
  3. Forschung
    Von Soltar im Forum Fragen und allg. Themen hinsichtlich Morbus Bechterew
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 21.06.2007, 00:50
  4. Neues vom g-ba.de
    Von Jürgen im Forum Rehabilitation (Krankenhaus, Kur, Beruf, Behörden)
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 17.03.2004, 10:57
  5. Neues zu den Heilmittelrichtlinien
    Von Ulmka im Forum Die Gesundheitsreform auf dem Prüfstand
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 02.03.2004, 11:35

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Powered by vBadvanced CMPS v4.3.0