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Kevin
21.04.2004, 23:22
Hey Ihr!

Ich (22) wollte einfach mal meinen Krankheitsverlauf + Erfahrungen niederschreiben…
Also: vor genau elf Monaten hatte ich eine Darmgrippe, die vermutlich zum Auslöser meiner Krankheit wurde. Diese kam mit Schüttelfrost, 39,7° Fieber und dauerte zwei Tage. Am darauf Folgenden waren dann sämtliche Symptome wieder verschwunden. Mir ging’s blendend, für genau drei Tage…
27.05.03: Es fing alles mit leichten verstauchungsartigen Schmerzen im linken Fußgelenk an.
28.05.03: Gleiche Schmerzen auch im rechten Fußgelenk begleitet von Halsschmerzen (steif).
29.05.03: Herren- und mein Geburtstag: Da wollte ich mich natürlich nicht lumpen lassen…
aber irgendwie wollte der Alkohol an diesem Tag nicht wirken. (Dachte meine
inzwischen doch sehr starken Schmerzen ertränken zu können.) Gegen 16 Uhr saß
ich dann fast apathisch in einem Gartenstuhl. Meine Halsschmerzen hatten sich über
meinen Hinterkopf in meine Stirn gezogen, mein Kopf war leicht nach vorn geneigt
und bewegungsunfähig. Füße angeschwollen…
30.05.03: Rotlicht, Schal, Dorlorbene-Gel, Voltaren, … alles ohne Erfolg.
Die Nacht war dann die schlimmste meines Lebens:
Kennt Ihr das, wenn man vor Schmerzen nicht aufstehen kann und versucht seinen
Kopf an den Haaren ziehend (wegen unerträglicher Schmerzen beim anspannen der
Halsmuskulatur) aus dem Bett zu heben? Wenn man seine Füße nicht anheben
kann? Man auf allen Vieren versucht ins Bad zu krabbeln?
Nein, ich hab’s nicht mal bis ins Bad geschafft! Ca. 4 Meter weit bin ich
gekommen, das in 10 Minuten! (Meine Freundin, die mich die 10 Minuten nicht
anfassen durfte, hat mich dann gebracht…)
31.05.03: Bis zum frühen Nachmittag hab ich noch rumgezickt (mich mit allen Kräften
dagegen gesträubt), dann hab ich mich doch ins Krankenhaus geschleppt.
Die wollten mich nicht für voll nehmen, aber mein CRP von 127,5 hat dann
überzeugt…
Ich hätte nie gedacht, dass mich mein eigener Körper innerhalb von nur fünf Tagen so zu Grunde richten kann!!! Deshalb auch die Datumsangaben hier.
Anschließend folgten zwei Wochen Kampf mit Voltaren in der Höchstdosis, bevor ich zur Vorstellung an eine Rheumaklinik überwiesen wurde. Durfte auch gleich da bleiben… Noch am selben Tag bekam ich einen 50mg Kortisonstoß. Innerhalb einer Stunde war ich Schmerzfrei. Leider nur bis zum nächsten Morgen, ein Toilettenbesuch im Rollstuhl dämpfte meine anfängliche Euphorie wieder… Jetzt 100mg Kortisonstoß, sinkend um10mg täglich. Besserung.
Thema Kortison: Ich persönlich würde es immer wieder, auch in dieser Dosis nehmen. Sicherlich sind die Nebenwirkungen „unschön“, aber es hilft. Was wäre aus mir ohne geworden? Wollte das nur mal sagen.
Thema Mitpatienten: Nach anfänglichen Gymnastikübungen in Gruppen mit einem Altersdurchschnitt von 70 Jahren, hat man mich als Bechterewler erkannt und in eine entsprechende Gruppe gesteckt: 3 echte MB-Kranke:applaus: . 2 Heulsusen(Mann(40), Frau(50)) und eine Frau die mir Mut gemacht hat. Entschuldigt bitte den Ausdruck Heulsusen, aber einem Neuling mit Sprüchen zu kommen wie: „Ich solle mich schon mal auf weitere Krankenhausaufenthalte einstellen…mich über einen Behindertenausweis erkundigen…mich schon mal auf noch stärkere Schmerzen vorbereiten…“ Stellt euch an Meiner mal ein 16 jähriges Mädchen vor, unverantwortlich!!! Statt die Übungen mit zu machen haben die sich vor den Fernseher gesetzt und sich Morphiumpflaster bringen lassen. Tja, so geht jeder seinen Weg…
Pünktlich nach zwei Wochen (Ablauf der Eigenbeteiligung am Krankenhaustagegeld) wurde ich dann mit wieder zunehmenden Schmerzen entlassen. Erneut 100mg Kortison, diesmal täglich! Hab mich trotzdem jeden Tag auf Krücken zur Hochschule geschleppt.
Thema Nebenwirkungen: Das übliche halt…Akne überall (konnte nachts nicht mehr auf dem Rücken liegen), Kraftlosigkeit, Müdigkeit, von 64 auf 74kg (oder anders: gigantischer, nicht zu stillender Hunger (-krampfartige Bauchschmerzen) ohne Sättigungsgefühl)… ach und ganz „niedliche“ Pausbäckchen. Ich muss zugeben, dass ich zu der Zeit auch sehr weit unten lag. Ich wollte sogar meinen Rheumatologen dazu überreden die Kortisondosis bei 100mg zu halten. Nur keine Schmerzen… Zu meinem Glück hat dieser kein Mitleid gepredigt, sondern mich knallhart vor die Tatsachen gestellt (oben genannte Nebenwirkungen). Und ich muss wieder zugeben, ich war beleidigt (Was weis der schon von meinen Schmerzen…!!!).
Doch manchmal braucht man halt solch einen Anstoß, denkt mal drüber nach! Bin ab da jeden Tag eine Stunde früher aufgestanden um Sport zu machen. (Konnte bald wieder ohne Krücken laufen.) Habe jeden Tag während der Vorlesungen meine Zehen gegen die Tischbeine gedrückt um diese wieder voll bewegen zu können. Jede Woche 5mg weniger Kortison. Dann habe ich angefangen jeden zweiten Abend eine halbe bis dreiviertel Stunde zu Joggen (Mg half mir gegen das vom Kortison hervorgerufene „Schlappheitsgefühl“). Bis Weihnachten konnte ich dann meinen Frühsport auf leichte Dehnungsübungen gegen die Morgensteifigkeit zurück fahren. Die Nebenwirkungen des Kortisons stoppten bei 40mg und klangen ab 30mg langsam ab.
(Nehme Vitamin E und Lachsölkapseln. Ob’s hilft? Schaden tut’s nicht, manchmal hilft ja auch ein bisschen dran glauben…)
Heute nehme ich 2,5mg Kort. habe immer noch ein paar Pickel auf dem Rücken, sonst geht es mir eigentlich gut. Habe wieder mein altes Gewicht, keine Pausbäckchen mehr (Verschwanden bei unter 30mg innerhalb von 2 Wochen.) und freue mich auf den Sommer.

Und die Moral von meinem ersten Schub, meiner fast Lebensgeschichte hier:
Persönliche Notizen zum Krankheitsverlauf helfen bei der Verarbeitung, außerdem vergisst man nie wie schlecht es einem mal ging. Das hilft an schmerzvollen Tagen…
Ich finde man sollte es seinem Umfeld ruhig mitteilen, aber auch nicht rumlaufen um Mitleid zu sammeln und sich dann wundern wenn’s die Anderen nervt.
Sich nicht runterziehen lassen! Selbstmitleid ist Gift!!! Immer aufrecht gehen! Den Kopf fit halten! Immer ein Ziel vor Augen haben! Zur Not noch mal die Schulbank drücken, wenn’s beruflich nicht mehr geht! Immer krampfhaft versuchen etwas Positives zu finden (…eine gute Nebenwirkung hatte das Kortison doch, meine Allergie gegen Gräser ist geheilt…:applaus: )!!!

Ich hoffe ich habe keinem vor den Kopf gestoßen. Also Kopf hoch und tapfer durch, dass Leben ist schön! (Huh, jetzt läuft’s mir aber eiskalt den Rücken runter :D )

Ulmka
21.04.2004, 23:39
Hallo Kevin,

erstmal herzlich willkomen in unserer großen Familie :) :knuddel: :)

Du hast ja das, was viele von uns (auch ich) in den ersten 10 Krankheitsjahren zu mitmachen, in einem Crashkurs in ein halbes Jahr gepackt :eek: Bist du immer so gierig ? :D

Jetzt mal im Ernst: ich drücke dir die Daumen :hoch:, dass du nie mehr so einen Monsterschub bekommst!

Liebe Grüße :knuddel:

Lydia

Kevin
21.04.2004, 23:44
Danke für die schnelle Antwort.

Wenn ich mir dadurch jetzt 9 Jahre Schmerzen gespart habe kann
mir das ja nur recht sein... :D

Cu Kevin

Gast_01
22.04.2004, 05:37
Hallo

Ja wie mir das alles bekannt vor kommt. Vor allem diese 4 Meter in 10 minuten. Ich kenne das alles. Grausam ist das. Aber man weiss das es irgendwann wieder weg geht und daran kann man sich gut festklammern. Bei mir geht das jetzt seit 3 Jahren in immer kürzeren Abständen so aber ich jammer nicht und denke nur nach vorne.

Ich bin berentet worden dieses Jahr (32 Jahre bin ich) und gestaltet mir alles jetzt so angenehem wie möglich. Ich versuche einfach das beste raus zu machen. Auch mein Humor ist mir nicht verloren gegangen

Wie sagte letztens jemand zu mir? Wenn du mal stirbst dann sagst du bestimmt noch "Halt Stopp ich habe da noch einen Witz" lach. Ja so sehen mich wohl die anderen

uedeke
22.04.2004, 10:58
Hallo Kevin,

auch von mir ein recht herzliches Willkommen von mir und ich hoffe, daß Du Dich hier wohlfühlen kannst.

Auch ich habe schon schlechte Phasen gehabt, aber einen solchen Monsterschub noch nicht.

Ich wünsche Dir alles Gute

Uedeke :)

Sabine
22.04.2004, 11:25
Hallo Kevin

auch aus Berlin ein fröhliches

Herzlich Willkommen bei uns :jump:

Ich wünsche dir das du weiterhin mit deinem Freund MB an der Seite deinen positiven Elan beibehälst :applaus:

Das ist sehr wichtig und hast du ja auch schon gut erkannt.
Dennoch hat man manchmal die Phase wo man einfach mal jammern muß...ist ja auch gar nicht schlimm! Mußt du dann einfach nur zulassen ;)


http://www.mysmilie.de/generator/ablage/13/238.png

Gast_02
22.04.2004, 12:27
Hallo Kevin,

ein images/my/willkommen.png an dich.

Du scheinst ein schnelles Tempo vorzulegen.
Ich hoffe das du uns nicht einholenwillst. Lass deshalb ruhig auch
mal anderen den Vortritt.

Scherz beiseite. Ich hoffe das du deinen Weg aus den Schmerzen genau so schnell findest.

einen schönen Gruss

der Graf

Uwe

:gruebel: :gruebel:

schnegge
22.04.2004, 12:35
hallo Kevin,

herzlich willkommen hier.

:applaus:

was du hier allerdings vergeblich suchen wirst sind "Heulsusen"

:jump: :knuddel: :dance: :knuddel: :walk: :knuddel: :sport:

wünsche dir mindestens 20 schmerzfreie Jahre und freue mich auf deine Beiträge.

lieben Gruß
Margot

Claudia_1975
22.04.2004, 14:11
Hallo Kevin,

herzlich Willkommen, fühl Dich wohl.
Sehr interessant, Deinen Verlauf zu lesen.

Liebe Grüße
Claudia

Engelbert
22.04.2004, 15:02
Hallo Kevin

Das was Du mitgemacht hast kenne ich zum Teil, das meinen das es nicht geht nur hat das bei mir nie lange genug gedauert um zum Arzt zu gehen, die Beschwerden verloren sich auf dem Weg dahin, bin also erst 25 Jahre später mit Tozal versteiftem Rücken diagnostiziert worden.

Diese 25 Jahre habe ich aber genossen und die kleinen Einschränkungen die ich hatte einfach nicht wahrgenommen. Naja ich habe auch nicht im Hörsaal gesssen sondern im Garten und Landschaftsbau ein bewegtes Leben geführt.

Der Beginn bei Dir zeigt mir das wesen der Autoimmunerkrankung, der Körper fährt das Immunsystem wegen der Magen und Darm Grippe hoch, wird spielend damit fertig und anschließend wendet sich die nun vorhandene hohe Abwehrkraft gegen Körpereigene Zellen.

Ich hoffe das Du mittlerweile weißt das Bewegung der einzige unverzichtbare Teil der MB Therapie ist und dieses Wissen dich zu einem bewegtem und erfülltem Leben befähigt.

Gruß Engelbert

Kevin
22.04.2004, 20:22
Erst mal danke für euer Interesse an meinen „Memoiren“. Hatte auf Grund der Läge mit weniger Resonanz gerechnet. Es fällt einem grade am Anfang oft nicht leicht, die Schwere seines Schubes einzuschätzen. Man fragt sich wie schlimm es noch kommen kann… Ich persönlich bin der Meinung, meinen nächsten Schub rechtzeitig eindämmen zu können (Und wehe einer quatscht mir hier was von geht nicht!!!:aerger: ).
Was mich zurzeit richtig motiviert ist, dass ich ab Oktober ins Auslandspraktikum gehe. Dort arbeite ich mit einem Prof. zusammen der künstliche Gelenke entwickelt:applaus: . Das machen nämlich Maschinenbauingenieure… Also doch nicht das falsche Studium gewählt. Die Hüftgelenke sollen schon recht gut sein:walk: … ich bring mal ein paar mit.
Also noch mal liebe Grüße an alle!!!
:)

Nelly
23.04.2004, 08:44
Hallo Kevin,

erstmals herzlich willkommen im Club.
Der Schub war aber heftig, nicht zur Nachahmung zu empfehlen.

Mein letzte Schub war auch heftig, auch ich kam in die Klinik mit dem Unterschied, dass sie mich erstmals ohne Schmerzmittel oder irgendeine Therapie einfach haben liegen lassen. Schmerzen ganze WS, alle Rippengelenke plus grosse Armgelenke, echt toll. Ich konnte zwar kurz gehen, mir aber nicht die Hose runterziehen auf der Toilette (sehr erhebend!). Fazit: ich wurde als hysterische Simulantin abgestempelt, voruebergehend fuer verrueckt erklaert und nich mit Spritzen ruhiggestellt. Das steigert ungemein das Vertrauen in die Aerzte. Ich frage mich jetzt noch wo sie die Augen trugen (vielleicht am A...).
Erst nach ausdruecklichem Verlangen in die UNI-Klinik in Zuerich ueberwiesen.
Dann endlich Diagnose und Therapie.
Ich koennte ein paar Leute steinigen, geht aber nicht.
Es geht mir inzwischen sehr gut, habe mir aber noch ein paar Zipperlein mehr eingefangen. Trotzdem treibe eine Menge Sport und fuehle mich super.

Ciao,

Nelly

Turbo Biene
24.04.2004, 06:58
Ein herzliches Willkommen möchte ich Dir auch wünschen.....

http://www.dvmb-forum.de/images/my/503.gif

Ich hoffe das Du Dich wohl fühlen wirst bei uns......

Dein Bericht Hat mich sehr interessiert und hat mich blitzeschnell in frühere Jahren (1984) errinnert.....(ich dachte, das ich es vergessen konnte??? denkste :eek:
Ich war damals, 24 Jahre......und bekam.....wie angeschmissen Kopfschmerzen und einen steifen Hals.....konnte Ihn nicht mehr bewegen und war auch so Apatisch da....konnte nichts machen....wollte schreien von Schmerzen und konnte nicht.....:heul:
Da, kam der Notfall Arzt und machte mich 2 Spritzen!! (damals habe ich nicht nacht dem Inhalt gefragt....aber es hat gewirkt!!!!

Am nächsten Tag, musste der NotArzt nochmal kommen um das selbe zu wiederhohlen :heul:
Nach dem, bekam ich ein Schmerzmitteln......für ca. 3 Wochen und war wieder vorbei!!!!!
Musste danach....in die Neurologie gehen, für viele Untersuchungen machen....Nichts!!!!!!

Was geblieben ist, aus diese Kurze Geschichte....ist.....jedesmal, wenn ich Kopfschmerzen bekam, musste ich sofort von diese Medi's nehmen......musste sitzen bleiben bis die wirkten....und erst dann, konnte ich abliegen ( und nur wenn jemand mich mein Kopf dabei half zu tragen bis auf's Kissen!!!:heul: sonst kamen die Schmerzen sofort wieder!!!)
Musste danach....in die Neurologie für viele Untersuchungen....Nichts!!!!!!

Ich hatte so viele..... solche Schübe und auch mit meinem Rücken, Fersen, Ellenbogen, Nacken usw.......und es brauchte noch 20 Jahren.....um eine Diagnose zu bekommen :mad:

Nun wieder zu Dir.....ich wünsche Dir von Herzen, das so etwas nie mehr vorkommt :trost: und das Dein Bechti Dich jetzt auch ein wenig in Ruhe lässt :applaus:

Machs gut!!!!!

Liebe :knuddel: Grüsse

Turbo Biene ;)