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Vollständige Version anzeigen : morgendliche schmerzbelastung


gby
02.04.2004, 12:42
Seit 2 Wochen werde ich, weiblich, 39 Jahre, von tiefsitzenden Schmerzen im Lendenwirbelbereich geplagt. Kreuzschmerzen sind mir nicht neu, aber länger als zwei Tage hatte ich sie nie, und schon gar nicht in dem Ausmaß. Außerdem bewirkte Ruhe immer eine Besserung. Die Art und Intensität der "neuen" Kreuzschmerzen erinnern an eine schmerzhafte Nierenbeckenentzündung. Nierenbecken-, so wie Eierstockentzündung sind nach den Untersuchungsergebnissen jedoch ausgeschlossen.

Am Schlimmsten ist der Tagesbeginn. Ich wache nachts oder früh morgens auf, weil die Schmerzen unerträglich werden. An Schlaf ist dann nicht mehr zu denken. Wenn ich mich bewege, verschwinden die Beschwerden relativ schnell, nach der ersten halben Stunde und tagsüber bin ich nahezu beschwerdefrei. Liege ich auf dem Rücken, stellen sich früher oder später Schmerzen ein, die stetig zunehmen. Linksseitig kann ich noch am besten liegen, Bauchlage ist nahezu unmöglich. Rechtsseitig (bevorzugte Schlafstellung) geht gar nichts mehr.

Beim Röntgen wurde eine Skoliose im Halswirbelbereich festgestellt, und meine Wirbelsäule ist auch nicht frei von kleineren Abnutzungserscheinungen. Aber die Röntgenaufnahme erklärt keinesfalls die akuten Schmerzen am Morgen und das Einsetzen von nicht so starken Beschwerden nach dem Essen (als würde der Magen auf den Schmerzherd drücken). Allerdings findet sich auch kein Hinweis auf eine Veränderung der Sakroiliakalgelenke.

Bei der Laboruntersuchung wurde lediglich eine Erhöhung der Blutsenkungsgeschwindigkeit festgestellt, die Rheumafaktoren sind negativ, HLA-B27 und HLA-B7 noch nicht gecheckt.

Eine erbliche Vorbelastung ist nicht auszuschließen. Meine Großmutter litt unter starken Rückenschmerzen im Bereich der Brustwirbel (Diagnose: Osteoporose > Folgeerscheinung?). Ihre Atembreite verringerte sich mit zunehmendem Alter, was schlussendlich zur Wasseransammlung in der Lunge und zu einer Überbelastung des geschädigten Herzens (Herzklappe) führte, woran sie letztendlich auch verstarb.

Mein Arzt hält Spondylitis für ausgeschlossen, weil die Beschwerden nach dem Essen nicht ins Krankheitsbild passen (deshalb bekomme ich jetzt Magenröntgen) und er die Ansicht vertritt, dass lediglich 10 % der betroffenen Patienten Frauen seien, hat aber einem HLA-B27-Test auf meinen Wunsch hin zugestimmt. Ich muss jetzt noch 2 Wochen ausharren, bis der Test gemacht wird...

Was dem Beschwerdebild übrigens vorausging war eine längere Zeitspanne überdurchschnittlich hoher psychischer Belastung, Stress und Sorgen. Die Folge davon sind extreme Verspannungen der Nacken-, Schulter und Rückenmuskulatur, aber auch die erklären nicht die Zunahme der Beschwerden in Ruhephasen und schon gar nicht das böse Erwachen am Morgen.

Wie gelange ich an eine zuverlässige Diagnose, auch wenn der HLA-B27-Test negativ ausfällt und noch keine sichtbaren Schäden vorhanden sind?
Gibt es eine Möglichkeit, den morgendlichen Schmerz zu lindern?

Gast_01
02.04.2004, 16:30
Wo dein Arzt die 10% her hat möchte ich mal wissen lach. Früher sagte man das er mehr Männer wie Frauen seien doch es ist längst bekannt das das Verhältnis mittlerweile Männer und Frauen ausgeglichen ist. Ich habe zum Beispiel einen Spndathritis und einen Morbus Crohn dazu. Dabei ist dann halt das oft das Problem das nicht mehr zu erkennen ist, welche Beschwerden von was kommen. Oft sind der Darm, Niere und Magen entzündet.

Ulmka
02.04.2004, 22:46
Hallo gby,

erstmal herzlich Willkommen in unserer großen Familie :) :knuddel: :)

Erstmal muss ich Melly Recht geben, wer bei MB noch von 'nur 10 % Frauen' spricht, hat hoffnungslos veraltete Vorstellungen!

Im übrigen kann Streß durchaus einen MB-Schub, auch den ersten, auslösen ( war vermutlich bei mir genauso).

Wie hoch war denn deine BSG? Und was ist mit dem CRP? War das auch erhöht? Und wie sieht das Blutbild (Lymphozyten, Neutrophile) aus? Der HLA-B-27 muss übrigens nicht positiv sein (wir haben einige 'Negative' hier), aber das hilft bei der Diagnose.

Zur Abklärung, ob eine Entzündung vorliegt, ist eine 3-Phasen-Szintigraphie der ISG sinnvoll (es ist wichtig, dass es wirklich 3 Phasen und nicht nur 1 sind!!!) oder auch eine MRT (mit Kontrastmittel), letztere ist allerdings deutlich teurer.

Gegen die Schmerzen hilft, auch ohne Diagnose, eventuell die Bechterew-Gymnastik :sport: :dance: :walk:. Einen Kalender mit sehr guten Übungen kannst du für (glaube ich) 12,90 € beim DVMB (www.bechterew.de) bestellen. Selbst wenn davon die akuten Schmerzen wider Erwarten nicht schnell besser werden sollten, sind die Übungen ja Pflichtprogramm, wenn sich wirklich ein MB rausstellen sollte....

Außerdem kannst du gegen die Schmerzen entzündungshemmende Medikamente (NSAR) nehmen, z. B. Diclofenac oder Ibuprofen. In niedrigeren Dosierungen sind die sogar rezeptfrei - und wenn das nicht reichen sollte, kannst du ja 2 Tabletten auf einmal nehmen. Damit die Wirkung am Morgen auch noch da ist, wäre es vermutlich sinnvoll, abend die Tabletten in Retardform zu nehmen.

Was mir außerdem sehr gut hilft ist Massage mit ISG-Mobilisation und eine schöne warme Badewanne images/my/1063.gif.

So, ich hoffe, ich konnte dir für den Anfang etwas helfen

Liebe Grüße :knuddel:

Lydia

Nelly
03.04.2004, 07:16
Hallo gby,

meine Vorgaengerinnen haben eigentlich schon gesagt was eigentlich gemacht werden muesste.

Die fruehmorgentlichen Schmerzen in der LWS sind ja wirklich typisch fuer MB, v.A. weil sie nach Bewegung so rasch abnehmen.

Was dein Magen angeht: nimmst Du schon Medikamente? Es gibt ja genuegend viel Medikamente, welche den Magen reizen.
Wenn Du gestresst bist kannst Du auch eine Gastritis haben, wieso soll Frau auch den Magen voll im Griff haben? Das wuerde auch erklaeren wieso der Magen nach dem Essen schmerzt, naehmlich dann wenn ordentlich Magensaeure produziert wird.Ausserdem ist der Magen eine Reflexzone vom unteren Bereich der Brustwirbelsaeule. Falls Du dort starke Schmerzen hast, kann es durchaus sein, dass Du das Gefuehl hast dein Magen spinne.

Was dein Arzt angeht, ich denke er hat laut gedacht, auf alle Faelle kann er so ein MB alles Andere als ausschliessen.
Warte es ab was die Untersuchungen ergeben, erst dann wird eine Diagnose erstellt.

Ich drueck Dir die Daumen,

Nelly

gby
03.04.2004, 09:22
Vielen Dank für die nette Begrüßung,

ich bin umzugsbedingt zum ersten Mal bei dem Arzt, der jetzt gerade versucht herauszufinden, was mir fehlt. Hinzu kommt, dass ich auf Grund der Vertrautheit der Schmerzen zuerst auf eine Nierenbeckenentzündung tippte, selbst als die Harnwerte ohne Befund blieben (kann vorkommen). Die Verschlimmerung der Beschwerden morgens und in Ruhephasen kristallisierte sich erst nach und nach heraus. Der Arzt war ratlos, und ich fühlte mich berufen, genauer zu beobachten, was ich wann wo spürte.

Dann kam das Röntgenbild, das die Skoliose zeigte. Da ich heftige Verspannungen in Schulter-, Nacken und Rückenmuskulatur aufwies, sah es so aus, als hätten wir mit der Skoliose den mittelbaren Übeltäter gefunden. Ich bekam Massagen verschrieben (1 Monat Wartezeit) und war vorest bereit, dieses Ergebnis hinzunehmen.

Erst als ich auf der Suche nach Rückengymnastik-Übungen war, traf ich zufällig auf eine Beschreibung jener Symptome, wie ich sie bei mir erlebte. Einen halben Tag verbrachte ich damit, Sites zum Thema aufzusuchen und alles, was ich fand, passte mir viel zu gut. Deshalb packte ich noch mal meine Röntenbilder ein und bat um einen HLA-B27-Test. Ich weiß, dass es nur ein Hinweis sein kann, keine konkrete Diagnose.

Wegen der Symptomatik mit meinem Magen werde ich vor dem Test aber noch mal zum Röntgen geschickt. Zur Zeit nehme ich - abgesehen von ein mal täglich Thomapyrin, das ich gut vertrage - keine weiteren Medikamente.

Während des Essens nehmen die Kreuzschmerzen zu, bis sie die Intensität derer am Morgen erreichen. Es geht nicht vom Magen aus, sondern es fühlt sich mehr an wie Platzmangel: der erweiterte Magen drückt nach unten und löst damit die Beschwerden aus. Das erlebte ich drei Mal, bevor mir der unmittelbare Zusammenhang deutlich wurde. Ein Mal musste ich mich übergeben - und DAS war Horror. Im Anschluss gingen jedoch die Beschwerden sofort zurück. Seit dem traue ich mich nur noch geringe Mengen kalorienreicher Nahrung zu mir zu nehmen und habe bisher wenigstens noch kein Gewicht verloren.

An MB hatte der Arzt im Laufe der Untersuchungen wohl mal gedacht, dann aber - hoffentlich nicht nur aus statistischen Gründen - ausgeschlossen. Ich wünsche mir nur noch, dass er IRGENDETWAS findet, was die Beschwerden plausibel erklärt, damt ich endlich weiß, wie es weiter gehen soll und ich mich darauf einstellen kann.

Ich bekam im Laufe unseres letzten Gesprächs den sanften Hinweis, dass er derjenige ist, der die medizinische Ausbildung gemacht hat, und das kann ich nicht abstreiten. Ich bin EDV-Techniker, kein Arzt. Alles, was wir gemeinsam haben, ist Diagnostik (immerhin)... Sein Frauenanteil war für mich allerdings ein Hinweis, dass er sich mit der Thematik MB länger nicht mehr auseinander gesetzt haben konnte.

Ausschlaggebend für meinen Verdacht auf MB war die Beschreibung des tief sitzenden Kreuzschmerzes, der sich in Ruhelage verschlimmert. Um meinem Arzt eine klare Beschreibung liefern zu können, habe ich's mir gestern so richtig gegeben. Als ich auf dem Rücken lag, strahlte der Schmerz von der rechten, hinteren Seite (ISG-Höhe) aus - zuerst in die Oberschenkel, dann bis runter in den linken Fuß. Nach einer Weile hatte ich fast das Gefühl, als wären meine Beine gar nicht mehr da - überhaupt schien ich den Kontakt zu meinem ganzen Körper zu verlieren. In diesem Zustand spürte ich nur noch, dass da etwas war, das ausstrahlte, jedoch keine Schmerzen. Ich fand bisher kein Krankheitsbild, bei dem es sich sonst auch nur annähernd so verhält. Oder kennt jemand andere Auslöser für diese Art Beschwerden? Könnte es ein Bandscheibenproblem sein, auch wenn aus dem Röntgenbild nichts Konkretes hervorgeht?

Mein Blutbild war ok (Werte kann ich keine liefern, wäre das erste Mal, dass man sie mir mitteilt - außer sei sind abnormal), abgesehen von der Blutsenkungsgeschwindigkeit - hier kann ich lediglich mit dem Wert "leicht erhöht" dienen. Außerdem hatte ich zum Zeitpunkt der Blutabnahme womöglich noch ASS intus, und das kann bekanntlich die BSG auch erhöhen.

Die Frage nach dem CRP Wert kann ich ebenfalls nicht beantworten. Wird der auch ohne konkrete Verdachtsmomente im Standardverfahren bestimmt? Wenn ja, dann war er ok, sonst hätte ich davon erfahren. Andernfalls wurde dieser Wert nicht ermittelt. Ich sehe, ich muss noch mal nachfragen, wenn mein Arzt aus dem Urlaub zurück ist.

Ich bin ziemlich verunsichert und die Ungewissheit macht mir zu schaffen. Trotz dem ich mich letztes Jahr selbstständig machte, und meine Arbeit liebe, bin ich zur Zeit wenig motiviert, mich darum zu kümmern, obwohl mein Einsatz erforderlich wäre. Ich bin unkonzentriert und der Schlafentzug tut sein Übriges. Besonders abends bin ich leicht mal deprimiert.

Dabei geht's mir tagsüber recht gut, und wenn ich hier lese, was andere mitmachen, dann komme ich mir fast kindisch dabei vor. Das einzige Symptom, das ich habe, sind Schmerzen, und die kann ich mehr oder weniger erfolgreich bekämpfen. Bis mein Arzt aus dem Urlaub zurück ist, werde ich weiter recherchieren und ihm eine Abhandlung schreiben, in dem ich auch die 3-Phasen-Szintigraphie der ISG (danke LYDIA) vorschlage. Schriftlich hab ich's etwas besser drauf als wenn ich vor der Person sitze.

Nun, jedenfalls bin ich froh, dieses Forum gefunden zu haben. Ich bin vom Engagement beeindruckt, ebenso von der Art und Weise, wie Ihr alle mit der Situation umgeht, Euch umeinander kümmert - und vor allem Eurem Mut. Egal, wie die ganze Sache ausgeht, ich weiß, dass ich damit nicht alleine sein werde...

Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft, Mut und Forscherdrang um bestehende und künftige Hürden erfolgreich zu bezwingen.

Liebe Grüße

gaby

Gast_02
03.04.2004, 09:38
Hallo gaby,

erst einmal ein images/my/willkommen.png an dich.

Auch wenn dein Blutwerte in Ordnung sind, können Entzündungen
in den Gelenken vorliegen. Völlig ausschließen lässt sich das also
auch nicht. Beim Röntgen müssen diese Entzündungen ebenfalls nicht
unbedingt sichtbar sein. Dies kann wie Lydia geschrieben hat nur
mit Mrt oder 3 Phasen-Synthiegraphie sichtbar gemacht werden.

Du solltest dich auch unbedingt zu einem internistischen Rheumathologen
überweisen lassen, diese haben meisst mehr Erfahrung mit MB.
Es ist auch vollkommen normal das dein Arzt sich nicht festlegen
kann, er kennt ja immerhin auch nicht die ganzen Familienkrankheiten
oder deine ganze Vorgeschichten.
Ansonsten kann ich nur sagen das deine Symtome doch dehr
stark an MB erinnern.

Viel Erfolg und noch viele schöne Stunden in unserer Mitte

wünscht dir der Graf

Uwe

:gruebel: :rolleyes: :gruebel:

Ulmka
03.04.2004, 21:59
Hallo Gaby,

du schreibst, dass du die Blutwerte nie siehst. Es ist aber dein gutes Recht, dass du von allen deinen Blutwerten eine Kopie bekommst (evtl. gegen die Kosten für die Kopie, die kaum über 1 Euro liegen können).

Ich habe auch alle meine Werte zu Hause und kann deshalb von jedem Wert eine Verlaufkurve zeichnen und sehe so auch genau, was untersucht wurde und was nicht!

Im übrigen habe ich mir vom DVMB (www. bechterew.de) das DVMB-Langzeitprotokoll bestellt, in dem ich die wichtigsten Werte eintragen kann. Wenn ich mal den Arzt wechsele, kann ich ihm den zusammengefaßten Verlauf gleich unter die Nase halten.

Liebe Grüße :knuddel:

Lydia

Turbo Biene
06.04.2004, 06:22
Meine Vorrednerinnen und Uwe, haben schon vieles gesagt und ich schliesse mich an .
Aber, als erstes, möchte ich Dich, ein herzliches Willkommen wünschen, hier, in unsere Familie :applaus:

http://www.dvmb-forum.de/images/my/503.gif

Fühle dich einfach wohl bei uns ;)

Zu dem wo schon geschrieben worden ist, möchte ich Dir einen Link geben, die ich mal gefunden habe und ein wenig klarheit bringt in das " MB beteiligung bei Frau und Mann "

http://www.bechterew.de/74feldt/74feldt.htm

Das wegen die " unsichtbaren Blutwerte ".......ich bekam eine Kopie von meine Blutwerten und Arzt Bericht, natürlich, nach dem ich gefragt habe!.........Seit ich die Diagnose habe, verlange ich überall und von jedem Arzt eine Kopie von alles was bei mir läuft!!!

Als ich alle meine Berichte beantragt habe, (von jedem Arzt und Spital wo ich war seit 20 Jahren)...stellte sich fest, das meine Befürchtung an Simulantin, richtig war :mad:
Das zeigte mich, einmal mehr, das ich in die Zukunft.....mehr auf meine Gefühle hören werde........
Du hast also wirklich das Recht auf eine Kopie von Deine Unterlagen.....ist jedenfalls in der Schweiz so!

@Lydia, das langzeit Ptotokoll interessiert mich sehr....werde schauen ob ich auch so etwas bekommen kann....vielen Dank :knuddel:

@ Gaby, nochmal ;) ich möchte Dir noch etwas auf's Herz legen....Du sollst sicher nicht das Gefühl haben...es sei Kindisch......bitte nicht.....im gegenteil, finde ich's gut, wenn Du Dich bei uns wohl fühlen kannst und Deine Fragen und unsicherheiten mitteilen kannst :trost:
Ich denke, das es einen sehr wichtigen Punkt sei....jemanden zu haben, der zuhört (in diesen Fall, zulest ;) ) und auch mitreden kann und seine Erfahrungen austauschen kann........finde ich wichtig.....ich erlebe es jedenfalls so!!!!

Ich wünsche, das Du bald eine Diagnose bekommst und das Deine Schmerzen schnell wieder abklingen!

Ich drücke dir die Daumen und werde an Dich denken :hoch:

Liebe Sonnige und warme Grüsse von....

Turbo biene ;)

Claudie
06.04.2004, 12:06
Hallo Gaby,

seit heute weiß ich, daß ich eigentlich nicht hier ins Forum gehöre. Deshalb habe ich mir gedacht, ich erzähl Dir mal, was noch so häßliche nächtliche Schmerzen, die unter Bewegung besser werden, verursachen kann und sogar für eine steife LWS verantwortlich zeichnen soll.

Ein CT hat bei mir eine Bandscheibenvorwölbung und einen kleinen Bandscheibenvorfall ans Licht gebracht, dazu eine beginnende Osteochondrose (Veränderung der Wirbelkörper) Das ganze drückt wohl auf einen Nerv und verursacht somit die Schmerzen. Meine Ärztin sagte dann, nachts würden sich die sowieso zu schwachen Muskeln noch entspannen und somit Schmerzen verursachen. Tagsüber hingegen, wenn die Muskeln vollständig arbeiten, geht der Schmerz zurück. Als Therapie habe ich: weiterhin ins Fitness Studio gehen.

Wann ich die Entzündung hatte, ist unklar, aber zur Zeit ist wohl keine aktiv. Ich vermute mal, daß das ein vermeintlicher Hexenschuß vor 2 Jahren war, der mir wirklich sehr zugesetzt hat. Seitdem sind die Schmerzen aber eigentlich nicht mehr richtig weg gegangen und ich bin in meinen Bewegungen für meinen Geschmack reichlich eingeschränkt.

Es scheint also doch noch andere Erkrankungen zu geben, die dem MB sehr ähnlich zu sein scheinen. Ich bin froh, daß meine Befürchtungen nicht bestätigt wurden, aber dennoch irgendwie skeptisch. Innerhalb eines halben Jahres sollte das Fitness Training anschlagen. Ich bin mal sehr gespannt, ob es mir dann besser gehen wird.

Viele liebe Grüße
Claudie

Nelly
06.04.2004, 13:44
Hallo Claudie,

wenn man die Beweise hat ist man immer gescheiter... darum ist der Patologe der einzige Arzt, der immer recht hat aber leider immer zu spaet kommt.

Das CT sagt aber trotzdem nichts ueber deine Weichteile um die Wirbelsaeule aus. Bekanntlich tun meist nicht die Knochen weh, sondern das was drumherum ist.

Das mit deinem Ruecken koennte auch in Richtung chronisches Schmerzsyndrom gehen. Das heisst, Du hat zwar einen "kleinen" Schaden an der LWS aber dein Koerper meldet grosser Alarm. Vielleicht lieg ich falsch, aber es koennte auch dei rel. starken Schmerzen erklaeren, die Du am Morgen hast.

Ich wuensch Dir gute Besserung und viel Glueck beim Training,

Nelly

gby
07.04.2004, 10:35
Hallo nochmal,

und vielen Dank für die vielen Tipps und Informationen, die ich in den Antworten und dem Forum allgemein gefunden habe. Ich las betroffen Machendes, Trauriges, Aufbauendes und noch mehr Ermutigendes. Von den meisten Leuten hier gewann ich den Eindruck, sie sind über sich selbst hinaus gewachsen.

Mittlerweile habe ich eine ganze Reihe möglicher Ursachen gefunden. Gewissheit ist nun nicht mehr das Wichtigste, sondern das Aufdecken der Hintergründe, die zum Beschwerdebild führten.

Gestern habe ich übrigens mit einer ehemaligen Kollegin gesprochen, die während der Fußball WM 1998 genau die gleichen Symptome erlebte - ich ließ sie mir beschreiben, ohne sie vorher durch meine eigenen Schilderungen zu beeinflussen.

Ihre damaligen Beschwerden stimmten mit den Früherkennungssymptomen genau so deutlich überein wie meine, und als sie mir erzählte, wie sie während dieser Zeit morgens aus dem Bett gekrochen war, wusste ich genau, wie sie sich gefühlt haben musste. Die Symptome verschwanden bei ihr nach ein paar Wochen und kamen nie wieder. Was ich mit ihr gemeinsam habe, ist eine verstärkte Neigung zu Entzündungen (von den Augen über Zahnwurzeln, Entzündungen bei heftiger, kurzer Heilung von Wunden bis zu permanent eitrigen Mandeln, Eerstock-, Nierenbeckenentzündung und sonst noch ein paar war bei mir alles schon mal da gewesen - kurz, schmerzintensiv und heftig, aber gute Heilung und rasches Abklingen in Folge).

Als ich letzte Woche bei den ersten Recherchen zu meinen Symptomen wiederholt auf die gnadenlose Übereinstimmung zu den beschriebenen Früherkennungsmerkmalen von MB stieß, war ich geschockt. Sollte ich ab jetzt an die Disziplin gefesselt sein, die eine chronische Krankheit erfordert? Als ich dann glücklicherweise auch dieses Forum gefunden und ein paar Beiträge gelesen hatte, wusste ich, dass es eine Menge Menschen gibt, auch solche, die es schlimm erwischt hat, die positiv mit der neuen Lebenssituation umgehen. Und es gibt immer wieder Leute, die sich - von Ungewissheit gequält - in diesem Forum einfinden, bei denen sich später herausstellt, dass sie doch anderweitig zuzuordnen sind.

"Mensch" gerät durch die Konfrontation mit einem solchen Beschwerdebild zwangsläufig in eine Situation, in der er sich mit seinem bisherigen Leben beschäftigen und sich um sein eigenes Wohlbefinden kümmern muss. Was ihm gut tun wird, unternimmt er nun ganz bewusst. Was schadet, erkennt er jetzt eher und geht ihm aus dem Weg. Das Ausmaß seines Engagements für die eigene Person hängt von der Höhe der Unannehmlichkeiten ab, die ihm die Symptome bereiten (Menschen werden doch nicht auch deshalb chronisch krank, weil sie sich selbst zuwenig lieben...)?

Da Ruhepositionen immer schwerer auszuhalten waren, und Bewegung das einzige Mittel war, den Schmerzen zu entrinnen, blieb mir nichts anderes übrig, als mich zeitweise vom Bildschirm zu trennen und aktiv zu werden.

Mein Spaziergänge gaben mir ausgiebig Zeit darüber nachzudenken, welche Faktoren mitgespielt haben konnten, dass Schmerz nicht, wie gewohnt, nach zwei Tagen wieder verschwunden war.

Für mich steht zweifelsfrei fest, dass ich ihn durch meine Lebensweise herbeigeführt habe. Mehrere physische und psychische Faktoren - die ja letzten Endes im Körper biochemisch, abgebildet werden - trafen aufeinander und bohrten sich an jene Stelle, die dem dauerhaften Druck am Wenigsten standhalten konnte. Die Vorgeschichte ist bestens dazu geeignet, einem früher gut beanspruchten, und daher von Muskeln gestützten, Bewegungsapparat in die Knie zu zwingen.

Mein Partner und ich erlebten drei Jahre lang wesentliche Veränderungen und standen permanent unter Leistungsdruck. Es erforderte viel Einsatz, Monat für Monat über die Runden zu kommen. 2003 machte ich mich selbstständig, und 2003 war das erste Jahr, in dem ich überhaupt keinen Sport betrieb. Zum Ausgleich verbrachte ich mehr Zeit als je zuvor im Bürostuhl. Es kam vor, dass ich eine ganze Woche lang jeden Tag vor dem Computer hockte, ohne jemals den Wohnungsschlüssel umgedreht zu haben. Ich wollte diese Lebensweise keinesfalls Aufrecht erhalten, weil ich mich gerne bewege, aber unser wichtigstes Projekt zog sich in die Länge. Fertig wurde es erst vor wenigen Wochen - und als sich das Ende abzeichnete, kurz vor dem Moment, wo wir soweit waren, es vorzustellen - fingen die Kreuzschmerzen an.

Ein Tag ohne Computer war für mich vorher die Höllenqual gewesen. Man könnte sagen, ich liebte meine Arbeit mehr als mich. In den letzten Wochen entwickelten sich die Kreuzschmerzen jedoch bis zu jenem Punkt, wo sich der Spieß umdrehen musste. Ein ganzer Tag mit dem Computer war nun die Höllenqual, und ich war plötzlich wieder zu Fuß in der Stadt Unterwegs ("Hallo Leute, seid ihr alle alt geworden...").

Die Aktivität gab mir beschwerdearme Tage, und der akute morgendliche Entzündungsschmerz ist einem leichten Grundschmerz gewichen. Objektive Recherchen und Analysen möglicher Ursachen und Hintergründe lenkten mich davon ab, zu sehr zu grübeln und mich in etwas hinein zu steigern.

Dank vieler aufrichtender Texte und Tipps in diesem Forum stand mir ein umganfreicher Maßnahmenkatalog zur Verfügung, die Symptome zu lindern.

Was mir letzten Endes am besten half waren folgende Maßnahmen:

Tiefe Entspannung, so oft und lange ich es konnte.
Lange Spaziergänge durch die Stadt wirkten nicht nur belebend, sondern ich kam beschwerdefrei nach Hause.
Ich begann mit sanften Übungen für den Rücken (Wirbelsäule strecken).
Ein heißes Bad mit muskelentspannendem Wirkstoff half, Verkrampfungen in den Rückenmuskeln zu lindern.
Einreiben mit einer Emulsion, die gegen rheumatische Beschwerden hilft, verbesserte anschließend das Ergebnis des Entspannungsbades.
Zwei Thomapyrin vor dem Schlafengehen (ASS und Paracetamol scheinen bei mir besser zur wirken als Ibuprofen), und ich musste nicht mehr nach ein oder zwei Stunden wieder aufstehen und herumgeistern.

Ergebnis: Ich kann seit gestern wieder normal essen, und Ich kann wieder schlafen, auch wenn ich im Anschluss etwas krakelig aus dem Bett krieche. Es ist toll.

Ausgeschlafen denkt man klarer. So groß meine Angst vor ein paar Tagen noch war, finde ich nun, dass es keine Rolle spielt, was die Diagnose letzten Endes aussagt. Ist es einfach nur eine Entzündung, die mich aufrüttelt und zwingt, mein Leben wieder ausgeglichener zu führen und wieder verschwindet oder steckt mehr dahinter? Das, was sich so schmerzintensiv in mein Leben gedrängt hat, veranlasste mich, mir über neu angelernte Verhaltensweisen klar zu werden, die auf Dauer zweifellos schädlich für mich wären. Ich fühle mich zum Handeln veranlasst, etwas zu tun, das vorzeitiges Einrosten - so oder so - verhindert.

Ich denke, dass ich mich gut dabei fühlen werde, mir mehr Ausgleich zu gönnen und den Computer einfach mal zu vergessen. Am liebsten wäre mir, die Symptome würden auf nie mehr Wiederfühlen verschwinden. Doch letzten Endes könnte es Schlimmeres geben, als mich nach einer schlüssigen Diagnose in in diesem Forum wieder zu finden.

Liebe Grüße, beste Wünsche und herzlichen Dank für die freundliche Aufnahme

Gaby