Vollständige Version anzeigen : Neues zu Radiumchlorid
Hallo ihr Lieben,
ich habe die neueste Ausgabe 'Deutsches Ärzteblatt' in die Finger bekommen, dort steht ein Bericht über die Radiumchloridtherapie:
Die Therapie wurde im Rahmen des HTA (Health-Technology-Assessment) unter die Lupe genommen, bei der alle Therapien untersucht werden sollen, bei denen die Wirkung nicht so klar ist.
Demnach ist die Wirkung bisher in keiner 'ordentlichen' Studie bewiesen worden, in der wirklich nur die Wirkung von Radiumchlorid untersucht wurde (ohne Veränderungen bei NSAR, KG etc.). Deswegen wurden jetzt umfangreiche Doppelblindstudien etc. von der HTA-Arbeitsgemeinschaft aud Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung angemahnt.
Zu den Nebenwirkungen wurden zwei große Studien gefunden: eine hat ein dosisabhängiges erhöhtes Risiko für Knochensarkome, Schilddrüsencarzinome, Blasen- und Nierentumoren und vor allem Mammakarzinome gefunden.
Bei der zweiten kam heraus, das die Lungenkrebsfälle signifikant gesunken waren :gruebel: (ohne, dass Nikotin beachtet wurde) und dass Blasenkrebs, Mammakarzinom, Leukämien und langfristig Leberkrebs erhöht war.
Der HTA-Bericht ist abrufbar unter
www.bundesaerztekammer.de/30/HTA oder unter www.kbv.de/hta
Liebe Grüße
Lydia
Bei der Bundesärztekammer steht zwar was zu HTA-Berichten, aber der ist offensichtlich noch nicht dabei.
Bei der KBV gibt es zwar den Bericht als pdf, aber seit vorgestern spinnt bei denen der Server - Download von pdf nicht möglich :(
Liebe Grüße
Lydia
Hallo Lydia,
tja das ist EDV. Auch ein Server geht mal in die Knie und braucht Wartung.
Aber da kann man mal sehen was dieses Radiumchlorid alles anrichten
kann mit seiner Radioaktivität. Die Strahlen sind und bleiben gefährlich.
Deshalb ist gutes Abwägen leider immer noch Vorraussetzung.
einen lieben Gruss
Uwe
;o :rolleyes: :gruebel:
Hallo Lydia,
ich habe hier auchnoch etwas sehr schönes zu diesem Thema gefunden.
Pharmazie
Radium-Therapie bei Morbus Bechterew
Beitrag der PZ-Redaktion
Seit Anfang des Jahres steht ein neues Therapieverfahren für Morbus-Bechterew-Patienten zur Verfügung. Dazu erhalten die Betroffenen insgesamt zehnmal im Abstand von jeweils einer Woche intravenös Radiumchlorid [224Ra]. Die Substanz zerfällt und emittiert dabei a-Teilchen, die im Gewebe eine sehr geringe Reichweite haben. So würden krankhaft gesteigerte Knochenneubildung und örtliche Entzündungen gehemmt, meldet das Unternehmen Altmann Therapie aus Salzgitter. Radium gehöre aufgrund seiner chemischen Verwandtschaft zu Calcium zu den "knochensuchenden" Substanzen, die sich im Skelett und frischen Gewebsverkalkungen einlagern.
Beim Morbus Bechterew oder Spondylitis ankylosans handelt es sich um eine chronische degenerative Entzündung der Wirbelsäule. Die Krankheit geht einher mit fortschreitender Fibrose und Verknöcherung und führt langfristig zu irreversiblen Versteifungen.
Die Radium-Therapie spreche bei 90 Prozent der Betroffenen im Krankheitsstadium II bis III an, so Altmann. Das bestätigten Daten aus insgesamt 15 Studien. Informationen über Zentren, die eine solche Therapie anbieten, erteilt das Unternehmen unter Telefon: 05341-86950 oder Fax: 05341-869524
Zu finden auch unter pharmazeutische-zeitung (http://www.pharmazeutische-zeitung.de/pza/2000-12/pharm8.htm)
einen schönen Gruss
euer Graf
Uwe
;o :rolleyes: :gruebel:
hallo zusammen!
ich habe gestern zufällig mal bei meiner mutter im magazin der deutschen rheumaliga geblättert und einen, wie ich finde,recht interessanten bericht über die behandlung von SpA (MB) mit radiumchlorid entdeckt.
der ganze bericht steht nicht im internet zur verfügung.
auf die gefahr das es nichts neues für euch ist stelle ich das was ich gefunden habe mal hier rein:
Ein weitere, vermutlich wirksame Therapie der AS ist die seit Oktober 2000 erneute Herstellung und Zulassung von Radiumchlorid (224SpondylAT). Diese, in den 50iger und 60iger Jahren als Thorium X applizierte radioaktive Substanz hat bei vielen Patienten zu einer anhaltenden Besserung der AS bei akzeptabler Strahlenbelastung geführt. In einer Nachbeobachtungsstudie von etwa 1500 Patienten war die Rate an Leukämien mit 0,8% bei den mit Radiumchlorid behandelten Patienten nur geringfügig höher als die Leukämierate (0,5%) von nicht mit Radiumchlorid behandelten AS-Patienten. Derzeit wird die Therapie mit Radiumchlorid nur bei schweren Verlaufsformen der AS mit Beteiligung der Wirbelsäule und bei Versagen anderer Therapien empfohlen. Die Behandlung erfolgt durch 10 wöchentlich von einem Nuklearmediziner verabreichten intravenösen Injektionen. Der endgültige Stellenwert dieser Therapie sollte in künftigen Studien noch überprüft werden.
http://www.rheumanet.org/content/m3/k1/k11/Artikel385.aspxx
abs: 6
wie gesagt, ich fand es interessant, obwohl der MB bei mir zu weit vortgeschritten ist.
ich habe eher an die unter uns gedacht bei denen keine therapie (auch die TNF-Alpha-Blocker) anständig gegen die schmerzen hilft!
mich würde interessieren ob überhaupt schon mal einer von euch Radiumchlorid bekommen hat, und ob es geholfen hat?
freue mich auf antworten und meinungen!
schöne grüße!
nobbi
Hm, also mir kommt diese Therapie etwas riskant vor. Aus Medizinischer Sicht kann ich das nicht beurteilen, kann nur von dem ausgehen was ich als angehender Ingenieur über Radioaktivität weiß. Deswegen hier eine kleine Theoriestunde über Radionuklide: :schlau: :schlau: :schlau:
Die Reichweite von alpha-Strahlung ist in der Tat sehr gering und sie kann schon durch ein Blatt Papier abgeschirmt werden. D.h. ich kann ohne Probleme einen starken alpha-Strahler in meiner Hand halten ohne daß nennenswert Strahlung in meinen Körper gelangt. Diese Art Strahlung wird erst dann unangenehm wenn sie in den Körper gelangt, meist geschieht daß durch Aufnahme von Radioaktivem Staub in die Lunge (siehe auch Tschernobyl). Erstmal im Körper kann alpha-Strahlung, trotz seiner kurzen Reichweite im Gewebe, zu Schäden an der DNA führen. Alpha-Strahlen sind nichts weiteres als extrem schnelle Elektronen die das Gewebe bombardieren. Die Gefährlichkeit von Radioaktiven Stoffen hängt in erster Linie von ihrer Halbwertszeit ab, also davon wie schnell sie Zerfallen. Je kürzer die Halbwertszeit, desto gefährlicher sind sie (mehr Zerfälle pro Zeit = mehr emittierte Strahlung). Die Halbwertszeit von Radium 224 liegt bei 3,7 Tagen, damit ist es ein relativ starker Strahler. Es ist ja auch nicht so daß dieses Nuklid zerfällt und dann weg ist, es bilden sich gemäß der Zerfallreihe von Ra224 ja erstmal weitere Radioaktive Stoffe. Möchte da jetzt nicht weiter drauf eingehen, aber wens interessiert, hier die Zerfallsreihe: Ra224 --a-Zerfall--> Rn220 --a-Zerfall--> Po216 --a-Zerfall--> Pb212 --b-Zerfall--> Bi212--b-Zerfall--> Po212--a-Zerfall--> Pb208, stabiles Nuklid. All diese Zwischenprodukte haben kurze Halbwertszeiten und sind somit starke Strahler.
Nun, ich bin weder Mediziner noch Atomphysiker, ich hätte aber keine Lust mir dieses Zeug intravenös geben zu lassen. Mag ja sein daß es sich positiv auf MB auswirkt, es ist aber davon auszugehen daß es irgendwelche Sauereien im restlichen Körper anrichtet. Da es durch das Blut verteilt wird erreicht es ja sämtliche Organe, auch wenn es sich letztendlich dann in den Knochen ablagert. Die Sache würde anders aussehen wenn es dierekt an den betroffenen Stellen ins Gewebe eingespritzt würde, dadurch wären die Nebenwirkungen vermutlich überschaubarer. Eine erhöhtes Krebsrisiko wurde anscheinend auch schon festgestellt wenn ich mir eure Beiträge so anschaue.
Ich muß zugeben daß ich mich mit dieser Behandlungsform noch nicht auseinandergesetzt habe, habe hier nur mal aufgeschrieben was mir durch den Kopf geht wenn ich sowas höre. Bevor nicht wirklich Langzeitstudien über diese Therapie durchgeführt wurden (ich rede von Zeiträumen über 50 Jahre, eventuell auch Untersuchungen der Nachkommen von solchen Patienten) würde ich die Finger davon lassen. Es könnte vielleicht eine Möglichkeit für ältere Patienten sein bei denen auch kein Kinderwunsch mehr vorliegt. Wenn ich mich mit 60 behandeln lasse und dann mit 80 Krebs bekomme ist das eben nicht ganz so schlimm wie wenn ich mich mit 20 behandeln lasse und mit 50 Krebs bekomme. Meine Meinung ist einfach abwarten und lieber erstmal skeptisch sein, auch wenn wir Bechtis uns gern an jede neue Therapieform klammern wie an einen Strohhalm, was bleibt uns auch anderes übrig...
Ich danke für die Aufmerksamkeit, :)
schöne Grüße und bis zum nächsten Mal!!
Roli
hallo trubi!
das radiumchlorid kein mittelchen ist das man nimmt wenn´s mal zwickt ist klar.
so war das auch nicht gemeint!
es ist ja auch kein neues mittel sondern war vom markt und ist seit ein paar jahren wieder zugelassen.
ich denke das die zuständige behörde (welche auch immer das sein mag:confused: ) sich was dabei gedacht hat.
wer die nebenwirkungen von TNF-Alpha-Hemmern auf sich nimmt und die noch nicht mal wirken (oder nur kurz), der wird bestimmt, oder vielleicht oder auch nicht die risiken des 224Ra auf sich nehmen um wieder vernünftig leben zu können.
es sind wohl im moment studien mit dem medikament am laufen, was dabei rauskommt wird bestimmt interessant!
ich finde es auf jeden fall ermutigend das die forschung in sachen MB nicht stillsteht, den die bisherigen therapien sind doch alles andere als ausreichend bzw zufriedenstellend!
ich danke dir für dein interesse und bin auf weitere meinungen gespannt!
nobbi
Hallo Trubi,
hier ein paar Informationen:
- die lokale Anwendung von alpha-Strahlern wird sehr häufig gemacht, das ist die Radiosynoviorthese. Ich habe das am Fuß auch schon über mich ergehen lassen - die Stelle am Knöchel, an der die Spritze gesetzt wurde, schmerzt jetzt nicht mehr :D - aber dafür 3 neue Stellen rundrum :heul:. Ich glaube, ich würde das auch nicht mehr machen.
- ich vermute mal, dass die Radiuminjektion in die Blutbahn ähnlich verläuft wie bei einer Szintigraphie, vorausgesetzt, das Radium ist an bestimmte Eiweißstoffe gebunden wie bei der Szinti: die Eiweißstoffe sind so gebaut, dass sie sich hauptsächlich in hoch stoffwechselaktiven Körperbereichen festsetzen - und dazu gehören in erster Linie Entzündungsherde. Deswegen reichern sich bei einer Szintigraphie die Nuklide an den entzündeten Gelenken an und machen diese sichtbar. Dadurch werden natürlich die Nebenwirkungen im Rest des Körpers deutlich kleiner. In den entzündeten Gelenken ist das radioaktive Bombardement ja erwünscht, weil es die entzündeten Gelenkinnenhautzellen tötet und dadurch diese aufgeweichte Schutzschicht wieder (lederartig) stabil macht.
Ob ich eine Radiumchloridbehandlung machen würde, solange ich nicht extreme Schmerzen habe, ist eine andere Sache - für mich steht das vorerst nicht zur Debatte.
Liebe Grüße :knuddel:
Lydia
Alpha-Strahlen sind nichts weiteres als extrem schnelle Elektronen die das Gewebe bombardieren.
Alpha-Stahlen sind die geladenen Heliumatome, darum auch einfach abzuschirmen. Beta-Strahlen sind die schnellen Elektronen mit deutlich größerer Eindringtiefe.
Mir würden die zwei beta-Zerfälle am Ende der Abbaukette deshalb etwas Sorgen machen.
MfG Ralf
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