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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : IV-Bezug Schweiz



nicoletta
18.11.2007, 10:27
Hallo zusammen

Ich suche Leute, die in letzter Zeit Erfahrungen gemacht haben mit einem Antrag auf IV in der Schweiz.

Da mir alles zuviel wird mit dem Stress bei der Arbeit und all den Gebrechen die ich habe, möchte ich mein 100%-Pensum auf höchstens 80% reduzieren und den restlichen Teil durch eine IV-Rente ersetzen.

Mein Rheumatologe und auch die Physiotherapeutin haben allerdings gesagt, dass ich das vergessen könne. Im Moment ist ja der Staat daran, die bestehenden IV-Renten zu kürzen und neue wenn immer möglich zu vermeiden! Ich wäre sehr froh, wenn mir jemand weiterhelfen könnte. Ich weiss gar nicht, wie ich da vorgehen soll. Aber ich weiss, dass es so nicht weitergehen kann! Ich mache bei der Arbeit dauernd Fehler und bin so oft abwesend wegen diversen Arztbesuchen, dass die im Büro gar nicht mehr gut auf mich zu sprechen sind.

Ich zähle hier mal meine Beschwerden auf: Spondylitis ankylosans, evtl. Psoriasis-Arthritis (keine sichere Diagnose), leichte ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom), Depressionen, ständig wiederkehrende Iritis, Reizdarm und momentan starker Eisenmangel.

Meint ihr, dass ich mit diesen gesundheitlichen Problemen Chancen auf eine IV-Rente habe?

Ich mache ja wirklich alles, um einigermassen arbeitsfähig zu sein. Ich renne von einem Arzt zum andern, mache diese und jene Therapie... Aber es klappt halt trotzdem nicht. Ich mache mir auch so einen enormen Druck, leisten zu müssen und dadurch werde ich auch nicht gesünder. Leider habe ich als Grafikerin auch einen Beruf, wo Stress normal ist. Vielleicht sollte ich auch den Beruf wechseln, aber ich weiss gar nicht, was ich sonst machen soll.

Kann mir da jemand weiterhelfen? Bin wirklich langsam verzweifelt.

Liebe Grüsse, Nicoletta

Ulmka
18.11.2007, 21:26
Hallo Nicoletta,

einen Grad der Behinderung würdest du wohl in Deutschland leicht bekommen - aber eine Teil-EU-Rente??? Die ist hier auch sehr schwer zu bekommen....

Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!!!! Mehr als eine Ablehnung kannst du nicht bekommen - und die Rente bekommst du nur, wenn du es versuchst!!!!

Liebe Grüße :knuddel:

Lydia

Beppo
19.11.2007, 04:13
hallo, Nicoletta,

ja, da hast Du schon die richtige Auskunft bekommen: Es wird aus verschiedenen Gründen "auf Teufel komm raus" eingespart. Einmal, weil man vor ca. 6 Jahren feststellte, daß der leichte Zugang zur IV (=Invaliden-)Rente eine Einladung für viele Systemausnutzer war und zum Anderen ganz einfach deswegen, weil das Wort "Sparen" eine magische Anziehungskraft zu haben scheint, natürlich kann sich ein Gesundheitssystem auch kaputtsparen...
Ich habe einige schöne Jahre in der Schweiz gearbeitet und habe vor ca. acht Jahren noch anstandslos eine Erwerbsunfähigkeitsrente erhalten, die inzwischen nahtlos in eine Altersrente umgewandelt wurde.
Bei Dir spricht folgendes gegen eine Gewährung: Es gilt der Grundsatz "Reha vor Rente", also rehabilative Maßnahmen sind immer möglich und besonders in Deiner Altersklasse dauerhaft erfolgreich. Was man als Betroffener oft auch nicht bedenkt (weil man selber so chronisch erschöpft von Schmerzen ist), daß man nach einiger Zeit zuhause sich förmlich wieder nach Arbeit sehnt, und dann ist es zu spät. Kein Mensch, auch so steinalte wie ich, kann jeden Tag tatenlos mit Kissen am Fenster lehnen und die Nachbarschaft kontrollieren...
Aber - wie Ulmka schreibt, versuchen lohnt schon!! Laß Dich hierbei von z.Bsp. einem Sozialverband (Gewerkschaft o.ä.) beraten.
Gutes Gelingen wünscht Dir,

Beppo
19.11.2007, 04:16
Hallo, Nicoletta,

.. hat sich erledigt, die obige Antwort war zunächst "weg"
Gruß,

Soltar
19.11.2007, 17:36
Hallo Nicoletta

Ja, die Schweiz macht u.a. auch wegen der SVP "mobil gegen IV-Missbrauch".

Das heisst, es werden immer mehr abgewiesen, z.T. ist das auch meiner Meinung nach gesetzeswidrig, denn es ist ja klar vermerkt wer eine IV zugut hat: Leute die aus gesundheitlichen (psychischen oder physischen) Gründen eben nicht erwerbsfähig sind. Natürlich ist das irgendwie ein "Gummibegriff", und letztlich schwierig zu beurteilen - so mag mancher eine Rente bekommen haben, der besser dran ist als ein anderer, der abgewiesen wurde.

Bist Du bei der Vereinigung Morbus Bechterew Schweiz Mitglied?

Da wurde vor ein paar Jahren mal eine Umfrage gemacht, wer den IV-Leistungen bezieht. Die mussten das machen, weil der Bund ihnen ja Geld bezahlt, sie aber das nur erhalten, wenn eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern eben IV-Renten-abhängig sind! Das sind so Bestimmungen....und wieviel es wirklich sind, die mit Bechterew eine Rente erhalten, weiss ich auch nicht. Es heisst ja immer von ärztlicher Seite: Die meisten Bechterewkranken bleiben bis zur Rente voll arbeitsfähig. Ist doch einfach nur falsch - es gibt genug, die schon rentenabhängig sind, bloss werden die auch in der Bechterewgemeinschaft totgeschwiegen, bzw. womöglich noch stigmatisiert...auch so ein Missstand!

Ich hörte auch schon von Betroffenen, die trotz schwersten Problemen, keine Rente bekamen! Ich glaube da sollten sich die Bechterew-Betroffenen wirklich mal kräftig zur Wehr setzen! Z.B. bei Fibromyalgie, Weichteilrheuma, dass ja nicht mal Schäden hinterlässt, aber sonst einfach schwer ist, mit Schmerzen und Kraflosigkeit, heisst es von ärtzlicher Seite sofort: Stellen Sie einen Rentenantrag! :mad:

Grundsätzlich zahlt die IV aber erst ab 40 %, lies doch mal hier:

http://www.avs-ai.ch/Home-D/IV/IV-invalidenrenten/iv-invalidenrenten.html

Bei der Schweiz. Ver. Morbus-Bechterew auf der HP ist immerhin neu mal überhaupt die Rede davon, dass es ev. Probleme geben könne am Arbeitsplatz, bzw. es wird irgendwo Hilfe angeboten. Bis jetzt war das noch kaum ein Thema......mir wurde ja auch schon gekündigt, weil ich damals in der Stelle zuviele Fehlzeiten hatte - ja Kunsstück, wenn man nicht mal mehr ins Auto kommt. Und sonst krank ist man ja auch mal.....

Alles Gute wünsche!

Soltar (CH)

nicoletta
20.11.2007, 18:19
Hallo zusammen

Vielen Dank für eure Antworten.
Einerseits denke ich auch, dass ich es versuchen sollte, weil ich meiner Ansicht nach eigentlich Anrecht auf eine Teilrente habe. Aber wenn ich die Bestimmungen lese (danke für den Link, Soltar), wird mir klar, dass es sehr, sehr schwierig ist.
An meinem Arbeitsort ist es eben schon schlimm, wenn man einmal im Monat einen Tag fehlt. Deshalb muss ich natürlich auch arbeiten, wenn ich gar nicht dazu fähig bin. Einfach weil die Arbeit erledigt werden muss. Wie gesagt, passieren dann halt Fehler. Was ja auch kein Wunder ist, wenn man dauernd Schmerzen hat oder mit nur einem Auge am Bildschirm arbeiten kann.
So wie ich es verstanden habe, muss man ein Jahr lang andauernd 40% zuhause bleiben, bevor man eine Teilrente bekommt??? An welcher Stelle wird denn sowas toleriert? Zuerst versuchen sie ja Umschulungen und so, aber ich habe viel Zeit in die Ausbildung investiert und weiss sowieso nicht, was ich sonst machen könnte.
Na ja, momentan behandle ich meinen Eisenmangel mit Infusionen und warte mal ab, ob ich dann fitter bin. Aber auf Bechterew und Iritis hat da natürlich keinen Einfluss.

Liebe Grüsse, Nicoletta

Dietemann
22.11.2007, 16:51
Ich glaube die 40 % waren als Grad der Behinderung gemeint nicht die Fehlzeiten.

Ich hab meine Arbeitszeit auf 75 % reduziert (vier Tagewoche mit allen finanziellen Folgen), aber das ist für mich schaffbar (auch wenn es natürlich Wochen gibt, in denen man mehr als 40 Stunden arbeiten muss). Die Fehlzeiten lassen sich so auffangen und mein Arbeitgeber war froh, dass weiter gearbeitet wurde.
Wichtiger als eine IV Rente war mir den Arbeitsplatz zu erhalten, denn wechseln ist ziemlich aussichtslos.

Gruß, Dietemann

Ananas
12.03.2008, 21:30
Nicoletta
ich bin selten hier im Forum, hast du dich bei der IV angemeldet?
das braucht in erster Linie KEINE Hilfe oder ok vom Doktor.
wenn du es noch nicht gemacht hast, dann schreib per SORORT einen Brief an deine nächste IV Stelle.
Versehen mit deiner AHV /IV Nummer
"Antrag auf Abklärung einer IV Rente bezugs!"
und schildere ihnen, einfach ALLES.
alle Leiden, Einschränkungen, ADHS, Psoriasis, Rennen von einem Arzt zum anderen..
Schmerzen.. es muss kein perfekt Brief sein. Es wird der Monat wichtig sein, wo dein Schreiben abgesendet wird.
wenn du irgendwelche Arzzeugnisse, Befunde hast, leg sie bei.
Eingeschrieben senden, Kopie für dich (IMMER).
dann lass es laufen. Ein Jahr Wartefrist war ja mal, wie es derzeit ist, weiss ich nicht. ABER,
jeden Monat den du versäumst, hast du selber verpasst.
Bei einer Ablehnung, nach Abklärung, mach Einsprache binnen der gegebenen Frist.
die IV macht generell erst mal Ablehnungen, so entledigen sie die meisen Fälle.
bleib am Ball, und erkämpf dir dein Recht. liebe Grüsse Ananas

wenn du Arztzeugnisse hast , wegen krank, kopier die in Zukunft damit du es belegen kannst... etc.
es sind viele Kleinigkeiten, ich trappte schon fast in jede Falle, doch in jede nur einmal..
machs gut, evtl lesen wir uns wieder.

Soltar
13.03.2008, 01:01
Hallo Nicoletta und Gabriella

Wenn wir hier schon mal als Schweizer "zusammenfinden", mal eine Frage, die auch in eine aehnliche Richtung zielt:

Seid ihr noch Mitglied bei der SVMB?

Ich war jahrelang dabei, bin aber, das wäre eine längere Geschichte, dann ausgetreten.

Ich kritisiere einfach die Haltung der Vereinigung: Es wird auf "Schönwetter" gemacht meiner Meinung - und die Realität unter den Tisch gekehrt.

Will heissen: "Der Bechterewler ist bis zur Pensionierung voll arbeitsfähig"

Dass das in vielen Fällen nicht so ist, wird nicht thematisiert. Leute, bei denen das nicht zutrifft, werden irgendwie stigmatisiert - die werden irgendwie zur Buhfrau/-mann. Das finde ich total daneben!

Es heisst z.B. auf der HP, bei der Erklärung des Verlaufs der Krankheit:

"In schweren Fällen kann es, z.B. bei Unfällen und Wirbelabbrüchen zur Invalidisierung kommen"

Also ich kenne aber einige, die erstens noch Jünger sind, und zweitens keine Wirbelabbrüche hatten oder aehnliches, aber dennoch in dem Sinne "invalide" sind, bzw. nicht mehr oder nicht mehr voll arbeiten können.


Mich nervt diese Haltung! Aergert mich richtig - vorallem auch, dass die Aerzte auch noch in dieses Horn stossen!

Was meint ihr dazu?

Danke

Schöne Grüsse

Ronald

ralfi
13.03.2008, 10:36
Ronald gut!
Mehr gibt es wohl nicht dazu zu sagen!!!

Welcher Chef duldet noch kranke und unflexible Leute?
Antwort : In der heutigen Zeit, Keiner!!!!

Du mußt als Bechti vielen Docs erst mal erklären was du hast, da sie nur oberflächliches wissen besitzen. Dann wollen auch sie etwas mehr wissen und finden überall den Satz mit der Arbeit! Also wird der Kranke und seine Krankheit bei Gutachtern und Ärzten bagatelisiert!
Die Folgen kann man hier sehr oft lesen, ich sage blos Grad der Behinderung!

Gruß Ralf

Soltar
14.03.2008, 15:11
Hallo Ralfi

Genau so ist es! Oft suchen Arbeitgeber Leute mit 150 % Leistung.

Dass aber Aerzte nicht genau Bescheid wissen über ein Krankheitsbild, und das eine Selbsthilfegruppe nicht ehrlich ist, bzw. alle seine Mitglieder schützt, und gegen Vorurteile, die es ja in der Gesellschaft häufig gibt auch verteidigt, das finde ich himmelschreiend! Ich weiss nicht wie das bei den anderen zwei Vereinigungen ist im deutschsprachigen Raum - ich bin jedenfalls aus diesem Grund seit einigen Jahren ausgetreten.

Gruss Ronald

Ananas
15.03.2008, 13:47
hallo soltar


ups, das sollte ne Pprivatnachricht geben. sorry

Soltar
15.03.2008, 18:30
Hallo Ananas

Leider nichts angekommen... :(

Ulmka
16.03.2008, 22:08
Hallo Ronald,

ich habe bisher immer nur erfahren, dass der DMVB seine Mitglieder sehr gut schützt und sich sehr gut um sie kümmert, für ihre Rechte kämpft, die Realität sehr deutlich macht - und sich sogar darum kümmert, dass die Ärzte besser ausgebildet werden!

Liebe Grüße :knuddel:

Lydia

Soltar
17.03.2008, 00:24
Hallo Lydia

Bei uns ist möglicherweise eben alles ander. Sicher sogar. Z.B. ja auch schon mei den zwei "Rheumaligen". Weil in D grösser, ist auch da die Betreuung besser, von denen bin ich auch enttäuscht hier.

Lieben Gruss

Ronald

nicoletta
17.03.2008, 17:40
Hallo allerseits

Es kann gut sein, dass in Deutschland das mit der Reha und IV leichter ist. Die Schweiz ist da wohl am sparen.
Bei mir ist es nicht so, dass ich eine Vollrente will. Denn gar nicht mehr arbeiten stelle ich mir sehr langweilig vor. Ich gehe ja gern arbeiten, aber ich brauche viel mehr Zeit zum regenerieren. Ich habe im Februar die Arbeit auf 80 Prozent reduziert. Zuerst dachte ich, es ist etwas besser. Doch leider habe ich doch wieder eine starke Iritis, die nicht weggehen will. Muss wahrscheinlich wieder Cortison unter die Bindehaut spritzen. Nur mit einem Auge kann ich einfach nicht gut arbeiten. Das andere Auge ist auch schon überfordert von der ewigen Überlastung.
Ich werde also nun mal einen Brief an die IV-Stelle schicken, wo ich alle meine Leiden aufschreibe. Viel Hoffnung habe ich nicht, aber versuchen muss ich es schon.

Liebe Grüsse und danke für eure Hilfe,

Nicoletta

Soltar
17.03.2008, 17:48
Hallo Nicolette

Ja, leider, es ist ja eben oft ein gar nicht können! Das sind die Realitäten. Wollen würden ja alle klar. Ist ja auch finanziell usw. interessanter. Aber können? Ich finde das einfach das Letzte! Schliesslich gibt es auch noch genug gesunde Arbeitslose - auch in der Schweiz! Und mit dem Becht muss man dann auch noch jemanden finden, der einem einstellt!

Lieben Gruss

Ronald