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Vollständige Version anzeigen : Neues Forschungsergebniss bei Morbus Crohn


Phineas60
17.07.2006, 21:35
Hallo,

bei dem Nachrichtensender N24 konnte man heute im Nachrichtenticker der unten am Bildschirmrand durchläuft lesen , das die Ursache des Morbus Crohn jetzt erforscht ist. Es soll ein körpereigenes Antibiotikum (Defensine) zu wenig oder gar nicht vorhanden sein, das mit dem Speichel im Mund abgegeben wird und Bakterien im Mund abtötet, die den Morbus-Crohn-Kranken wie mich schwer zu schaffen machen.

Hoffentlich ergibt diese Erkenntnis mal eine neue Therapiemöglichkeit. :)

Liebe Grüsse an alle hier im Forum.

Manfred

stephamo
17.07.2006, 21:53
Hallo Manfred,

dann müßte man versuchen ein Antibotikum in ganz kleinen Mengen zu geben, dass sich im Mund auflöst und die Bakterien abtötet.
Je nachdem welches Antibiotikum ich bekomme, geht es meinem Darm gut oder richtig schlecht. Ich habe bis jetzt noch nicht so genau darauf geachtet, welches mir für den Darm gut bekommt. Auf Grund dieser Erkenntnisse sollte man das wirklich mal verfolgen.

iphigenie
18.07.2006, 10:22
wow, das wäre dann doch mal ein durchbruch!!

habe aber bis jetzt leider nichts darüber lesen können (stern oder focus online). aus welchem land stammen die ergebnisse?? wie sicher ist die info??

hmm, hoffentlich stimmt das auch so und man kann sich bald darüber schlau machen!!

aprospros crohn, weiß jemand zufällig, was mit dem dccv forum los ist?? immer wenn ich rein will, erscheint: FATAL ERROR,...
die haben doch nicht etwa zu gemacht??

liebe grüße, daniela

stephamo
18.07.2006, 10:47
Hallo Daniela,

das fand ich heute in der Ärztezeitung online

"Patienten mit Morbus Crohn, deren Dickdarm von der Erkrankung betroffen ist, haben offenbar weniger Kopien des Gens mit der Bauanleitung für Beta-Defensin-1, einem körpereigenen Peptid-Antibiotikum, als Gesunde.
Das geht aus einer internationalen Studie unter Leiter von Dr. Klaus Fellermann und Professor Eduard Stange vom Robert-Koch-Krankenhaus in Stuttgart sowie Forschern am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg hervor (Journal of Human Genetics-Online).
Wie das DKFZ mitteilt, haben Patienten mit verringerter Defensin-Gen-Zahl tatsächlich auch niedrigere Defensin-Spiegel im Blut. Das Eiweiß-Antibiotikum halte die Schleimhaut-Barriere intakt und verhindere, daß Bakterien durch"
Quelle: Ärztezeitung, 18.07.2006

Als das Sportschuetzen-forum einen Hackerangriff hatte und zerstört wurde (glücklicherweise wieder intakt), stand das auch da. Wollen wir nicht hoffen, dass das DCCV-Forum nicht ganz kaputt ist. Der Admin vom Sportschuetzen-forum hat ein verlängertes Wochenende gebraucht, um es erst einmal wieder zum Laufen zu bringen und in den letzten Wochen ganz viel Zeit und Kraft investiert, um den Hackern es unmöglich zu machen, so ein Forum zu zerstören.

iphigenie
18.07.2006, 11:34
hallo monika,

danke dir für die info!!

aber das dccv forum klappt schon seit wochen nicht, kannst ja mal nachschauen, ob's bei dir klappt!!

liebe grüße, daniela

Teenymeyer
18.07.2006, 12:11
Hallo Daniela

Bei mir funktioniert das DCCV Forum einwandfrei.

iphigenie
18.07.2006, 13:38
komisch, auch wenn ich es über den link der dccv versuche klappt es nicht :confused:

vielleicht hat man mich ja auf die schwarze liste gesetzt, wer weiß, hihi.

keine ahnung woran das nun liegt! hmmmm.

aber danke für's nachschauen!!

Ulmka
18.07.2006, 22:00
Hallo Daniela,

wenn ich da so lese, dass das Defensin die Schleimhaut-Barriere intakt hält und dass MC-Patienten so wenig davon haben kann ich mir jetzt auch gut vorstellen, warum du so oft Blasenentzündungen hast....!

Da wird es Zeit, dass die Forscher Defensin-Tabletten entwickeln!!!

Liebe Grüße :knuddel:

Lydia

Uli Dörwald
19.07.2006, 08:29
Hallo ihr Lieben,

ich möchte nochmal daran erinnern, dass die Defensine körpereigene Antibiotika sind. Ein 'zu wenig' davon kann, aber muss nicht genetisch sein, sondern eine Nebenwirkung von Tabletteneinahme, insbesondere NSAR und ja, auch Cox-II-Hemmern. Geben die Ärzte ungerne zu, aber investigatives Nachbohren könnte sich lohnen. Also lieber über natürlichen Magen- und Darm-Schutz nachdenken, das Immunsystem in jeder Hinsicht stärken und nicht schon wieder mehr Tabletten von Ulla einfordern.

Liebe Grüsse
Uli

iphigenie
19.07.2006, 09:02
hallo uli, :)

ich weiß, dass du DER gegner von medis bist und zwischen vielen dingen zusammenhänge suchst, aber es gibt so viele patienten (z.bsp. crohnler) die vor auftreten dieser krankheit kerngesund waren und nichts nehmen mussten, das darauf zurückführen kann.
auch dein sicher lieb gemeinter rat über natürlichen magen-darm-schutz nachzudenken ist in manchen situationen einfach ein lächerliches hilfsmittel. bei einem richtigen crohn schub (zum glück hatte ich bis jetzt erst einen, toi, toi, toi!!!) bringen alle hasumittelchen auf der welt nichts. egal was du zu dir nimmst, und ich habe viel versucht, alles kommt binnen 40min in flüssiger und blutiger form wieder raus. die krämpfe sind kaum auszuhalten und von den sehr starken schmerzen muss man sich dann auch noch übergeben. glaub mir uli, so sehr ich es auch bewundere, wie du es in deinem leben geschafft hast mit "einfachen" mittel die medikamente zu ersetzen, ist es in einer solchen situation einfach nicht möglich ohne was stark entzündungshemmendes einen krankenhausaufenthalt mit darmstilllegung und venenkatheder zu umgehen.

liebe lydia, :knuddel:

da hab ich gestern ja noch gar nicht dran gedacht. meinst du, das kann wirklich auch im zusammenhang stehen??
das wäre der hammer!! und wenn dann so ein pillchen auf den markt kommt wo nur die benötigte menge von dem zeugs drin ist und damit viele aualis weggehen, schlage ich drei kreuze!!

ich hoffe so sehr, dass die mit den erkenntnissen richtig liegen!!

liebe grüße, daniela

Uli Dörwald
19.07.2006, 10:02
Liebe Daniela,

natürlich weiss ich das du recht hast. Habe ja auch versucht mich wohlfeil auszudrücken: 'kann, aber muss nicht genetisch sein'!!

All jenen, bei denen der MC NACH der Medikation eingesetzt hat wollte ich die Selbstwahrnehmung schärfen und auch die Hoffnung geben: Was du selbst unwissentlich kaputt gemacht hast, das kannst du selbst eventuell wissentlich wieder reparieren.

Und für alle anderen gilt schon: Defensin (kommt von defendere = verteidigen) ist ein körpereigenes Antibiotikum. Wie kann man vermeiden es zu zerstören und wie kann man dem Körper helfen es wieder zu bilden? Heute weiss man auch das die Gene, bzw. das Ein- und Ausschalten auch psychischen Prozessen unterlegen ist. Die Entschuldigung: 'Das ist angeboren' gilt nicht unbedingt. Eine Erkenntniss, die sich noch lange nicht in der Ärzteschafft und schon gar nicht in der Gesellschaft durchgesetzt hat. Ich will Pillen nicht verteufeln, aber man macht sich 'mental' den Griff danach auch einfach zu leicht.

Weiterführende Literatur zum Thema Genetik habe ich schon öfters erwähnt, 'Joachim Bauer' Das Gedächtnis des Körpers; gibts inzwischen als TB, oder gebraucht, muttu amazon fragen..

Liebe Grüsse
Uli

iphigenie
19.07.2006, 11:59
hey uli,

sicher, ich kann deinen standpunkt verstehen. aber du musst verstehen, dass in meiner bisherigen krankheitskarriere schon so einiges passiert ist und die diagnose enteropathische spondyarthritis bei morbus crohn den vogel abgeschossen hat. seit zehn jahren hab ich regelmäßig blasen- und harnwegsinfektionen im wechsel mit hals- und rachenentzündungen (die haben seit einigen jahren nachgelassen). ständig bekommt man von den eltern oder jenen, die glauben die weisheit mit dem großen suppenlöffel gefressen zu haben sprüche zu hören, wie: das liegt nur daran, dass du keine unterhemden anziehst!" und so eine sch... . entschuldige, aber irgendwann mag ich die schuld nimmer bei mir suchen. wahrscheinlich habe ich auch so arge rückenschmerzen, weil ich mir nicht regelmäßig die ohren putze oder so. verstehst du was ich meine?? ich behaupte ein ganz normaler mensch zu sein, mit einer normalen jugend, mit normalen erlebnissen. ich habe früher leistungssport gemacht und fußball gespielt. ich habe mich nicht übermäßig ungesund ernährt (das erste mal bei mc donalds war ich mit 13jahren auf einer klassenfahrt). alles ganz normal eben!! und es ärgert mich so wahnsinnig, dass menschen, die wesentlich schlimmer mit ihrem körper umgehen, im gegensatz zu mir kerngesund sind. für mich hat das fehlersuchen auf meiner seite ein ende. ich hab einfach pech gehabt und ich bin auch nicht schuld daran, dass ich so bin wie ich bin. so.

;-)

ich hoffe du verstehst mich und nimmst mir das nicht krumm!!

alles liebe, daniela

Uli Dörwald
19.07.2006, 12:57
Natürlich verstehe ich dich, auf anderen Gebieten werde ich ja genauso von Besser-Wessis traktiert, die versuchen beim Schulterklopfen meine Eulen von Selbigen zu scheuchen. Fühl dich einfach nicht angesprochen ;-), auch wenn mein posting mit 'Liebe Daniela' begann, lesen uns wohl ein paar mehr. Hast du dich schon mal mit glutenfreier Ernährung beschäftigt? Da würde ich z.B. gar nix auf Tests und ärztliche Meinungen geben, sondern einen mindestens 3-wöchigen radikalen Selbstversuch starten, nur der macht klug. Da kann jeder MCler nur gewinnen.

By the way: Wofür steht das Mc in Mc Donalds??? Ist das etwa die Mutter des Morbus Crohn? :D

Gruß
Uli

iphigenie
19.07.2006, 13:15
das nächste mal fühle ich mich nicht angesprochen ;-) wollte halt nur meinen unmut äußern!!

nein, mit glutenfreier kost habe ich mich noch nicht beschäftigt, ich weiß aber auch ehrlich nicht, ob ich es aushalten könnte nicht täglich meine leckeren brötchen, hörnchen oder ähnliches nicht mehr verdrücken zu können, werde es aber mal ins auge fassen!!

wer weiß, wer weiß, ob der gute ronald mc donald vielleicht wirklich schuld ist an allem ;-) naja, auf meinen ab-und-an-cheeseburger verzichte ich nur ungern (ich merke grad, dass ich nur sehr ungern verzichte, hihi).

bis dann dann, daniela

gina 10
25.07.2006, 15:33
Hallo Iphigenie!

Um auf deine Anfrage mit dem DCCV zu antworten. Die haben ein neues
Forum aufgebaut und das alte komplett geschlossen. Du musst über
Google DCCV aufrufen und dich ganz neu anmelden.
Jetzt noch zu den Antibiothikas: Das ist ja immer so eine Sache bei Crohn oder
Colitis Ulcerosa. Aber zwei AB vertrage ich gut. Und zwar: Clont und Metro-
dinacol (ich glaube so wird es geschrieben), das bekomme ich immer wenn ich
Abszesse oder Fisteln habe und komischerweise ist dann auch mein Darm viel
ruhiger. Aber alles andere löst bei mir einen Schub aus.
Dann wäre das mit den Defensinen vielleicht ja mal ein Ansatz.
Ich hoffe ich konnte dir ein bischen helfen (mit dem DCCV).

Liebe Grüße
Gina

Uli Dörwald
27.10.2006, 15:12
News



27.10.2006 - Genforschung
Entzündungshemmende Genvariante

Forscher finden Zusammenhang zwischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und verändertem Gen


Ein kanadisch-amerikanisches Forscherteam hat eine Genvariante identifiziert, die möglicherweise vor chronischen Darmentzündungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa schützt. Das betreffende Gen beeinflusst den Rezeptor für Interleukin, einen Bestandteil des Immunsystems. Eine bestimmte Variante dieses Gens tritt bei Gesunden viermal häufiger auf als bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten, stellte das Forscherteam um Richard Duerr von der University of Pittsburgh fest.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn treten in bestimmten Familien und auch in bestimmten ethnischen Gruppen gehäuft auf, was auf eine genetische Ursache hindeutet. Daher untersuchte die Forschergruppe um Richard Duerr das Erbgut von 547 Patienten mit Morbus Crohn und verglich es mit dem von 548 Gesunden. Insgesamt analysierten die Forscher dazu über 22.000 Gene mit mehr als 300.000 genetischen Varianten. Dabei entdeckten sie eine deutliche Abweichung beim so genannten IL23R-Gen: Eine bestimmte Variante davon kam bei Gesunden viermal häufiger vor als bei den an Morbus Crohn Erkrankten.

Das Interleukin IL23 ist ein Botenstoff des Immunsystems und trägt zur Bekämpfung von Bakterien und zur Entstehung von chronischen Entzündungen bei. Die genetischen Unterschiede, die das Forscherteam entdeckt hat, beeinflussen die Andockstelle von Interleukin an den Körperzellen, den so genannten IL23R-Rezeptor. Gesunde besitzen also möglicherweise eine genetische Variante, die vor den entzündlichen Darmerkrankungen schützt, erläutert Studienleiter Duerr.

Frühere Studien hatten ergeben, dass das IL23-Gen auch bei der Schuppenflechte eine Rolle spielt, einer weiteren Erkrankung, bei der das Immunsystem genetisch bedingt verändert ist. Dies sei ein wichtiger Hinweis dafür, dass die entdeckte Genvariante für verschiedene Autoimmunerkrankungen von Bedeutung sei, sagt Steven Brant, einer der Co-Autoren der Studie. Hier ergebe sich ein wichtiger Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Medikamente.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind durch immer wieder auftretende Entzündungen des Darms gekennzeichnet, die zu Bauchschmerzen, Durchfällen und Darmblutungen führen. In Deutschland erkranken jedes Jahr bis zu 4 von 100.000 Menschen neu an Morbus Crohn und bis zu 10 von 100.000 an Colitis ulcerosa.

Richard Duerr (University of Pittsburgh) et al.: Science, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1126/science.1135245

ddp/wissenschaft.de – Christine Amrhein

maxi
27.10.2006, 19:59
hallo uli,
es ist schon schwer sich im medikamentendjungle zurechtzufinden, und "das richtige" für sich zu entdecken.
habe mit meinem mb (seit 2000) schon so ziemlich alles mitgemacht, nach einem sehr! heftigen schub zuletzt auch mtx und remicade.
mein körper hat sich stark gegen die infusionen gesträubt (haarausfall/hautausschlag usw.) und ich habe alles wieder abgesetz.
mein ernährung habe ich umgestellt (fühle mich manchmal auch schon wie ein eskimo), dazu gibt es täglich: fischöl, vitamin e, vitamin c, zink, selen und sport. ich muss sagen, z.z. geht es mir recht gut damit. da mein isg jedoch leider anfängt sich zu melden, hatte ich überlegt täglich noch diclo`s dazuzunehmen, denn die habe ich immer gut vertragen. so wie ich dich verstanden habe schwächen diese aber dieses "defensine?".
hast du eine alternative die du mir raten kannst, sollten die schmerzen stärker werden?
alles gute für dich, maxi

Uli Dörwald
29.10.2006, 13:45
Hallo Maxi,

auch ich habe die diclos immer gut vertragen, aber seit meiner Umstellung (Genau was du beschrieben hast, plus täglich KG, aber die machte ich schon immer) brauche ich auch die diclos seit etwa 4 Jahren nicht mehr. Versuche es einfach mal mit ASS (Aspirin). Bei mir wirkt das sehr gut. Ich nehme erst den Lebertran (Morgens) oder selbstgemachten Kefir (nachmittags) quasi als Magenschutz und dazu mit Vitamin E eine 500ter ASS. Durch das Vitamin E wird der Effekt verstärkt. So nachzulesen beim Resolvin E1 Artikel. Resolvin E1 ist wohl auch ein Defensin, wird jedenfalls als körpereigenes Antibiotikum bezeichnet, wie dei Defensine (Verteidiger).

Gruß
Uli

Uli Dörwald
05.01.2007, 08:59
Hallo,

wenn ihr direkt auf den link geht kommt ihr auch zu weiteren, sehr interessanten links, wie 'Defensine'.

http://www.wissenschaft.de/wissen/hintergrund/272798.html



05.01.2007 - Gesundheit
Von Würmern, Diäten und Darmentzündungen

Peitschenwurmeier, Cortison, Probiotika: In Internetforen tauschen sich Betroffene der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn über die besten Methode aus, ihre Schübe so erträglich wie möglich und die beschwerdefreie Zeit so lange wie möglich zu halten. Denn ein akuter Schub bedeutet wässrigen Durchfall, unerträgliche Bauchschmerzen, Kraftlosigkeit und Gewichtsverlust. Die Symptome werden durch Entzündungen im Verdauungstrakt verursacht, die im weiteren Verlauf häufig zu Fisteln, Abszessen oder Darmverschlüssen führen. Die genaue Ursache der Krankheit ist noch nicht geklärt – eine Heilung gibt es daher nicht. Da die Krankheit äußerst individuell verläuft, gibt es bei der Behandlung keine dogmatischen Regeln.


Insgesamt hätten sich die Krankheitsverläufe im vergangenen Jahrzehnt durch immer bessere Medikamente gebessert, erläutert Marie-Luise Hermans vom Vorstand des Bundesverbandes niedergelassener Gastro-Enterologen. So bleibe heute vielen Patienten eine Operation erspart. Die derzeit eingesetzten Medikamente hemmen auf verschiedenen Wegen die Entzündungsreaktionen der Schleimhaut im Verdauungstrakt. Einige haben starke Nebenwirkungen, besonders wenn sie dauerhaft genommen werden wie zum Beispiel Cortison. Bei anderen Wirkstoffen wie beispielsweise Azathioprin setzt zudem die Wirkung erst nach Wochen ein. Die richtige Dosis und Kombination zu finden, ist daher immer schwierig.

Die Entzündungen gar nicht erst entstehen zu lassen, das ist der Ansatz in der Forschung um die Defensine. Das sind körpereigene Antibiotika, die in der Schleimhaut des Verdauungstraktes die Mikroorganismen unter Kontrolle halten, und so für eine gesunde Darmflora sorgen. Bei Morbus-Crohn-Patienten fehlen Gen-Kopien, die für die Produktion der Defensine zuständig sind. "Die Entwicklung von einsatzfähigen Medikamenten wird jedoch noch fünf bis zehn Jahre dauern", erklärt Professor Gerhard Rogler von der Universität Regensburg.

Etwas früher, vielleicht schon 2007, erwartet Rogler die Zulassung eines Medikaments ganz anderer Art: die Eier des Peitschenwurms. Die Parasiten regen die Bildung wichtiger Wächterzellen des Immunsystems an, wodurch die Entzündung unterdrückt wird. Im Ausland liefen bereits erfolgreiche Tests mit den gereinigten Eiern des Peitschenwurms. Da die Würmer aus dem Verdauungstrakt des Schweins gewonnen werden, habe die Europäische Arzneimittelagentur jedoch noch Bedenken wegen möglicher Kontaminationen, bedauert Rogler.

Bei entzündlichen Darmerkrankungen spielt natürlich die Ernährung eine besonders wichtige Rolle. Während akuter Schübe muss besonders auf die Versorgung mit ausreichend Nährstoffen geachtet werden, bei Komplikationen oft durch so genannte Astronautenkost oder gar Sonden. Die richtige Ernährung kann aber auch zu einem verbesserten Krankheitsverlauf und zu mehr Wohlbefinden beitragen. Auch hier gibt es keine allgemeinen Regeln – jeder Patient muss herausfinden, was gut tut, was nicht vertragen wird, oder was gar einen Schub auslöst.

Bei vielen Patienten haben sich besondere Diäten bewährt, wie zum Beispiel eine spezielle Kohlenhydrat-Diät, bei der auf bestimmte Kohlenhydrate wie die in Nudeln oder Brot verzichtet wird. Dadurch soll den schädlichen Bakterien im Darmtrakt die Nahrungsgrundlage entzogen werden, um sie regelrecht auszuhungern. Auch die lebenden Bakterien in Probiotika können helfen, krankmachende Bakterien zu verdrängen und so eine Verbesserung der bakteriellen Darmflora zu bewirken. Unter den "guten" Bakterien haben sich zum Beispiel E. coli-Bakterien vom Stamm Nissle als vielversprechend erwiesen, da sie besonders bei Kindern und Jugendlichen die beschwerdefreie Zeit verlängern können, berichtet Hermans.

Für chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn wurde 1999 ein so genanntes Kompetenznetzwerk errichtet, um Forschungsergebnisse zusammenzubringen, neue Therapieansätze zugänglich zu machen und Ärzte wie auch Patienten mit Informationen zu versorgen. "Seit Bestehen des Netzwerks hat sich die Sichtbarkeit und Akzeptanz von Morbus Crohn deutlich erhöht", resümiert Rogler. Dennoch gebe es immer noch zu viele Krankheitsfälle, die durch fehlende Aufklärung nicht adäquat behandelt werden können.

Wer nicht gerade in der Nähe von Therapiezentren wohnt und Informationen sucht oder sich mit anderen Patienten austauschen möchte, findet im Internet ein Angebot an Foren. Hier werden – größtenteils anonym – Themen zu allen Bereichen des Lebens mit Morbus Crohn diskutiert. Dazu gehören Probleme im Beruf, mit der Sexualität oder bei Campingreisen genauso wie Erfahrungen mit Ärzten, alternativen Heilmethoden oder künstlichen Darmausgängen.

Auch die Deutsche Crohn/Colitis Vereinigung (DCCV) hat sich der Aufklärung und Beratung von Betroffenen durch Betroffene verschrieben und seitdem viel erreicht, sind sich Rogler und Hermans einig. Unter anderem gibt die DCCV eine Zeitschrift heraus, organisiert Arzt-Patienten-Seminare, vermittelt Kontakte. "Letztendlich muss der Patient zum Experten seiner Krankheit werden", resümiert Hermans.

ddp/wissenschaft.de – Sabine Keuter