Zwickfisch
24.05.2006, 13:44
Hallo Leute :)
habe gerade eine schöne mündliche Überlieferung aus Tibet gelesen, Sie lautet:
Der Weg zur Weisheit
Ein tibetischer Nomade spricht zu seinem Sohn
Mein Vater sagte einst:"Wenn du wissen willst, welcher Pfad dich heimführt,wähle den beschwerlichsten."
Damals schaute ich ihn an und verstand nicht, was er meinte. Wie sollte ich auf einem solchen Weg bestehen; wie seinen Hindernissen und Stolper-
steinen ausweichen? Der Sinn seiner Worte entzog sich mir, so, wie er sich nun dir entzieht, da ich den gleichen Satz ausspreche...
Mein Sohn, du beklagst dich über die vielen Stunden, die ich dich allein mit der Herde fortschicke. Über die Kälte und den Wind und die Angst, nicht nach Hause zu finden. Du nennst mein Leben primitiv, und meine Hoffung findest du armselig. Du lächelst über meine Träume, weil du weißt, ebenso wie ich, dass sich sich niemals erfüllen werden, und du verstehst nicht, warum ich dennoch dankbar bin
Ich will es dir sagen: Dankbar bin ich nicht für das Wenige, das ich besitze.
Dankbar bin ich für jeden Tag, für jeden Augenblich, in dem das Leben seinen Preis von mir fordert. So verneige ich mich vor dem eisigen Hauch des Winters, der meine Knochen erstarren lässt. Vor den wilden Winden des
Herbstes und den Fluten des Frühlings, die mich in ihren Tiefen versinken lassen. All diese Momente hinterlassen ihre Spuren; sie zeichnen meinen Körper und durchziehen meine Gedanken. Sie sind das Leben selbst, und erst durch sie erfahre ich seine ganze Fülle.
Bedenke stets, wer sich von dem Sturm abwendet, wird auch den Gesang der Stille nicht vernehmen. Die Erleuchtung wirst du nicht in Schriften und nicht in den Worten eines weisen Mannes finden, denn du allein trägst sie in dir. So wähle nicht den bequemen Weg, sondern beschmutze deine Hände mit dem Schlamm der Erde; lass den Regen durch deine Kleider fahren und ziehe dich mit letzter Kraft die Steilhänge und Gipfel hinauf - und dann blicke zurück auf alles, was das Leben dir gegeben hat. Denn erst,wenn du jeden Schmerz gespürt und alle Tränen geweint hast, wenn sie Tropfen für Tropfen auf dein Herz gefallen sind -erst dann kommt die Wahrheit
viele Grüße Carmen
habe gerade eine schöne mündliche Überlieferung aus Tibet gelesen, Sie lautet:
Der Weg zur Weisheit
Ein tibetischer Nomade spricht zu seinem Sohn
Mein Vater sagte einst:"Wenn du wissen willst, welcher Pfad dich heimführt,wähle den beschwerlichsten."
Damals schaute ich ihn an und verstand nicht, was er meinte. Wie sollte ich auf einem solchen Weg bestehen; wie seinen Hindernissen und Stolper-
steinen ausweichen? Der Sinn seiner Worte entzog sich mir, so, wie er sich nun dir entzieht, da ich den gleichen Satz ausspreche...
Mein Sohn, du beklagst dich über die vielen Stunden, die ich dich allein mit der Herde fortschicke. Über die Kälte und den Wind und die Angst, nicht nach Hause zu finden. Du nennst mein Leben primitiv, und meine Hoffung findest du armselig. Du lächelst über meine Träume, weil du weißt, ebenso wie ich, dass sich sich niemals erfüllen werden, und du verstehst nicht, warum ich dennoch dankbar bin
Ich will es dir sagen: Dankbar bin ich nicht für das Wenige, das ich besitze.
Dankbar bin ich für jeden Tag, für jeden Augenblich, in dem das Leben seinen Preis von mir fordert. So verneige ich mich vor dem eisigen Hauch des Winters, der meine Knochen erstarren lässt. Vor den wilden Winden des
Herbstes und den Fluten des Frühlings, die mich in ihren Tiefen versinken lassen. All diese Momente hinterlassen ihre Spuren; sie zeichnen meinen Körper und durchziehen meine Gedanken. Sie sind das Leben selbst, und erst durch sie erfahre ich seine ganze Fülle.
Bedenke stets, wer sich von dem Sturm abwendet, wird auch den Gesang der Stille nicht vernehmen. Die Erleuchtung wirst du nicht in Schriften und nicht in den Worten eines weisen Mannes finden, denn du allein trägst sie in dir. So wähle nicht den bequemen Weg, sondern beschmutze deine Hände mit dem Schlamm der Erde; lass den Regen durch deine Kleider fahren und ziehe dich mit letzter Kraft die Steilhänge und Gipfel hinauf - und dann blicke zurück auf alles, was das Leben dir gegeben hat. Denn erst,wenn du jeden Schmerz gespürt und alle Tränen geweint hast, wenn sie Tropfen für Tropfen auf dein Herz gefallen sind -erst dann kommt die Wahrheit
viele Grüße Carmen