Daisy
18.01.2004, 09:48
Auszug aus dem Newsletter Gesundes Leben:
Ist Hypnose ein Schmerzkiller?
Da sitzen Menschen vor johlendem Publikum und tun Dinge, zu denen sie ein Mann mit Mikrofon auffordert. Sie kriechen auf allen Vieren, tanzen und singen. Als der Mann mit den Fingern schnippt, können sie sich an nichts mehr erinnern. Sie waren hypnotisiert.
Doch die Zeiten, in denen Hypnose nur als "Hokuspokus" und Mittel zur Volksbelustigung angesehen wurde, sind vorbei. Inzwischen hat der Trancezustand Einzug in Medizin und Psychotherapie gehalten: Wenn Schmerzen übermächtig werden oder Patienten Angst vor Betäubungsspritzen haben, kann Hypnose ein Ausweg sein.
Die Hypnose gehört zu den ältesten Methoden der Schmerzkontrolle. "Im Jahr 1750 wurde sie zum ersten Mal angewendet", sagt Therapeut Achim Stenzel aus Bad Mergentheim bei Würzburg. Patienten berichteten von einem Gefühl der tiefen Entspannung, vergleichbar mit einem Tagtraum. Weil dieser Zustand dem des Schlafes sehr ähnlich ist, wurde er nach dem griechischen Gott des Schlafes Hypnos benannt.
"Durch den späteren Einsatz von Betäubungsmitteln wurde dieses Verfahren leider für lange Zeit verdrängt. Erst seit knapp 30 Jahren wird die Hypnose wieder durchgeführt", sagt Stenzel. Besonders Zahnärzte versetzen ihre Patienten gern in die veränderte Bewusstseinslage, um schmerzfreie Behandlungen zu ermöglichen.
Doch nicht bei jedem schlägt die Methode an: "Etwa zehn Prozent der Menschen gelten als nicht hypnotisierbar", sagt Joachim Lüddicke, Präsident der Landeszahnärztekammer in Sachsen. "Dazu zählen Leute, die nicht wollen oder keine Fantasie haben." Ein gewisses Maß an Vorstellungskraft sei auf alle Fälle Voraussetzung.
Außerdem dürfe die Methode nicht bei Menschen angewendet werden, deren Wirklichkeitswahrnehmung verzerrt ist. Dazu zählen beispielsweise Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung. Damit die Hypnose gelingt, muss der Patient absolutes Vertrauen zu seinem Therapeuten haben.
Dieser fordert den Patienten auf, etwas mit den Augen zu fixieren - etwa ein in die Höhe gehaltener Stift, ein Pendel oder ein anderer Gegenstand. Dann bringt ihn der Hypnotiseur mit ruhiger Stimme in einen Zustand von Ermüdung, Schwere und Entspannung. Mit diesen Gefühlen schließt der Patient seine Augen und lässt die Gedanken auf Wanderschaft gehen.
Der Hypnotiseur gibt seinem Gegenüber anschließend "Aufträge", mit denen es ihm gelingt, Probleme oder Schmerzen günstig zu beeinflussen. So kann er ihm suggerieren, dass er bestimmte Situationen gelassen hinnimmt, vor denen er bisher große Angst gehabt hat. Die Behandlung, vor der sich der Betroffene gefürchtet hat, tritt in den Hintergrund. Stattdessen erlebt er vielleicht längst zurückliegende, intensive und schöne Momente noch einmal.
Mediziner und Psychotherapeuten machen sich verschiedene hypnotische Phänomene zu Nutze. "Zum Beispiel können sowohl positive als auch negative Halluzinationen auftreten. Bei den positiven erlebt der Patient schöne Dinge, die gar nicht wirklich da sind", erklärt Stenzel. Das könne eine Melodie oder Meeresrauschen sein. Durch negative Halluzinationen wird Störendes wie Schmerz oder Angst ausgeblendet.
Am Ende der Sitzung erteilt der Hypnotiseur seinem Patienten den Auftrag, aufzuwachen und sich hell wach und ausgeruht zu fühlen. Die meisten Betroffenen können sich anschließend nur vage an die Behandlung erinnern. Dennoch waren sie ihrem Therapeuten gegenüber nicht willenlos. "Jemanden gegen seinen Willen zu hypnotisieren, ist unmöglich", sagt Achim Stenzel.
Ist Hypnose ein Schmerzkiller?
Da sitzen Menschen vor johlendem Publikum und tun Dinge, zu denen sie ein Mann mit Mikrofon auffordert. Sie kriechen auf allen Vieren, tanzen und singen. Als der Mann mit den Fingern schnippt, können sie sich an nichts mehr erinnern. Sie waren hypnotisiert.
Doch die Zeiten, in denen Hypnose nur als "Hokuspokus" und Mittel zur Volksbelustigung angesehen wurde, sind vorbei. Inzwischen hat der Trancezustand Einzug in Medizin und Psychotherapie gehalten: Wenn Schmerzen übermächtig werden oder Patienten Angst vor Betäubungsspritzen haben, kann Hypnose ein Ausweg sein.
Die Hypnose gehört zu den ältesten Methoden der Schmerzkontrolle. "Im Jahr 1750 wurde sie zum ersten Mal angewendet", sagt Therapeut Achim Stenzel aus Bad Mergentheim bei Würzburg. Patienten berichteten von einem Gefühl der tiefen Entspannung, vergleichbar mit einem Tagtraum. Weil dieser Zustand dem des Schlafes sehr ähnlich ist, wurde er nach dem griechischen Gott des Schlafes Hypnos benannt.
"Durch den späteren Einsatz von Betäubungsmitteln wurde dieses Verfahren leider für lange Zeit verdrängt. Erst seit knapp 30 Jahren wird die Hypnose wieder durchgeführt", sagt Stenzel. Besonders Zahnärzte versetzen ihre Patienten gern in die veränderte Bewusstseinslage, um schmerzfreie Behandlungen zu ermöglichen.
Doch nicht bei jedem schlägt die Methode an: "Etwa zehn Prozent der Menschen gelten als nicht hypnotisierbar", sagt Joachim Lüddicke, Präsident der Landeszahnärztekammer in Sachsen. "Dazu zählen Leute, die nicht wollen oder keine Fantasie haben." Ein gewisses Maß an Vorstellungskraft sei auf alle Fälle Voraussetzung.
Außerdem dürfe die Methode nicht bei Menschen angewendet werden, deren Wirklichkeitswahrnehmung verzerrt ist. Dazu zählen beispielsweise Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung. Damit die Hypnose gelingt, muss der Patient absolutes Vertrauen zu seinem Therapeuten haben.
Dieser fordert den Patienten auf, etwas mit den Augen zu fixieren - etwa ein in die Höhe gehaltener Stift, ein Pendel oder ein anderer Gegenstand. Dann bringt ihn der Hypnotiseur mit ruhiger Stimme in einen Zustand von Ermüdung, Schwere und Entspannung. Mit diesen Gefühlen schließt der Patient seine Augen und lässt die Gedanken auf Wanderschaft gehen.
Der Hypnotiseur gibt seinem Gegenüber anschließend "Aufträge", mit denen es ihm gelingt, Probleme oder Schmerzen günstig zu beeinflussen. So kann er ihm suggerieren, dass er bestimmte Situationen gelassen hinnimmt, vor denen er bisher große Angst gehabt hat. Die Behandlung, vor der sich der Betroffene gefürchtet hat, tritt in den Hintergrund. Stattdessen erlebt er vielleicht längst zurückliegende, intensive und schöne Momente noch einmal.
Mediziner und Psychotherapeuten machen sich verschiedene hypnotische Phänomene zu Nutze. "Zum Beispiel können sowohl positive als auch negative Halluzinationen auftreten. Bei den positiven erlebt der Patient schöne Dinge, die gar nicht wirklich da sind", erklärt Stenzel. Das könne eine Melodie oder Meeresrauschen sein. Durch negative Halluzinationen wird Störendes wie Schmerz oder Angst ausgeblendet.
Am Ende der Sitzung erteilt der Hypnotiseur seinem Patienten den Auftrag, aufzuwachen und sich hell wach und ausgeruht zu fühlen. Die meisten Betroffenen können sich anschließend nur vage an die Behandlung erinnern. Dennoch waren sie ihrem Therapeuten gegenüber nicht willenlos. "Jemanden gegen seinen Willen zu hypnotisieren, ist unmöglich", sagt Achim Stenzel.