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Vollständige Version anzeigen : Fibromyalgie


Gast_02
04.12.2003, 11:21
Hallo liebe Leidensgenossen,

in letzter Zeit lese ich immer mal wieder in einem Beitrag das Wort
"Fibromyalgie". Deshalb habe ich mich mal schlau gemacht und möchte
dies nun hier mal festhalten, bevor ich es wieder ganz
vergessen habe. Die Alzheimer scheint auch schon an mir zu nagen :D .

Also, unter der Fibromyalgie versteht man eine Erkrankung, die
durch langanhaltende Schmerzen im Bereich des
Bewegungsapparates (Sehnen, Muskeln) charakterisiert wird.
Daneben sind allgemeine Krankheitssymptome, Schlafstörungen
und Depressionen nicht selten. Meist sind Frauen ab dem 35. Lebensjahr betroffen.
Die Ursache ist noch unbekannt, es kommt jedoch zu keiner
krankhaften Veränderung in Muskeln und Sehnen. Eine zentrale,
d.h. vom Gehirn ausgehende Schmerzentstehung wird diskutiert.
Zur Diagnose werden die Krankengeschichte und die
Fibromyalgie- Druckpunkte herangezogen. Die Behandlung
besteht aus einer Kombination von psychosomatischer
Betreuung, physikalischer Therapie und Medikamenten.
Die Erfolge sind umso besser, je früher damit begonnen wird, da
die Fibromyalgie bei längerem Bestehen dazu neigt, chronisch zu
werden. Seit kurzem gibt es auch chirurgische Therapieansätze.

Das heißt nun, die Fibromyalgie ist eine nicht-entzündliche,
weichteilrheumatische Erkrankung, welche mit generalisierten
Schmerzen des Bewegungssystems und Allgemeinsymptomen,
wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Depressionen, Schlafstörungen
u.v.m. einhergeht und durch schmerzhafte Druckpunkte an den
Sehnenansätzen charakterisiert ist.

Patienten mit Fibromyalgie haben meist bereits in der Vorgeschichte
chronische Schmerzen des Bewegungssystems, z.B. durch einen
Bandscheibenvorfall oder ein Schleudertrauma.
Zur Fibromyalgie kommt es dann, wenn sich der Schmerz gewissermaßen
verselbstständigt und nicht mehr nur lokal an den ursprünglich schmerzhaften Stellen,
z.B. der Halswirbelsäule, sondern am ganzen Körper verspürt wird.
Zu diesem Zeitpunkt hilft auch die Beseitigung der ursprünglichen
Ursache des Schmerzes nicht mehr, um eine Besserung zu erreichen.
Dies kann auch bei Patienten mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen,
wie z.B. der rheumatoiden Arthritis passieren, man nennt dies dann sekundäre Fibromyalgie.
Gleichzeitig bestehen oft psychische Symptome, wie z.B.
Depressionen und der Patient fühlt sich ausgesprochen krank.
Es ist bekannt, dass es bei Patienten mit Fibromyalgie zu
Änderungen der Regelsysteme der Schmerzempfindung im Gehirn
kommt. Manche Botenstoffe des Gehirns, wie z.B. Serotonin und
Tryptophan werden "herunterreguliert", während andere, wie die
Substanz P - eine bestimmte Schmerztransmittersubstanz -
vermehrt gefunden werden.
Trotz dieser "organischen", d.h. körperlichen Veränderungen des
Gehirns, ist aber immer noch nicht klar, ob die Fibromyalgie
letztendlich eine psychosomatische Erkrankung ist, bei der die
Veränderungen der Botenstoffe des Gehirns erst sekundär
entstehen oder ob es sich wirklich gewissermaßen um eine
Stoffwechselerkrankung des Gehirns mit der Folge von
Schmerzen und psychosomatischen Störungen handelt. Sicher ist
aber, dass die schmerzhaften Stellen des Bewegungssystems
selber nicht verändert oder gar entzündet sind, sondern erst die
veränderte Schmerzempfindung im Gehirn dazu führt, dass der
Schmerz des Bewegungssystems empfunden wird. Trotzdem
handelt es sich aber um echte und nicht etwa eingebildete
Schmerzen.

Eine immer wieder zu beobachtende Beziehung besteht zwischen
dem Nachtschlaf und der Fibromyalgie. Patienten mit Fibromyalgie
schlafen meist schlecht oder aber sie wachen morgens auf und
fühlen sich wie "gerädert". Darüber hinaus kann man umgekehrt
eine Fibromyalgie bei Probanden durch Schlafentzug geradezu
hervorrufen.
Eine noch weitgehend unerforschte Funktion des Schlafes bei der
Entspannung der Muskulatur und dem psychischen Schmerzerleben
scheint daher vor einer Fibromyalgie zu schützen.

Im Vordergrund stehen starke Schmerzen vor allem der Muskulatur und der Sehnenansätze.
Dabei sind nicht nur die Extremitäten sondern auch der Rumpf betroffen.
Häufig wird der Schmerz als großflächig und fließend beschrieben.
Die Patienten haben oft das Gefühl, die schmerzhaften Weichteile
seien diffus geschwollen und kleine Verdichtungen des
Unterhautfettgewebes werden als schmerzhafte Knötchen empfunden.
Die Schmerzen halten über lange Zeit, meist über Jahre an und
können bei manchen Patienten durch körperliche Aktivitäten oder
auch Krankengymnastik bzw. Massage verstärkt werden.
Darüber hinaus leiden die Patienten unter Allgemeinsymptomen
wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und Depressionen.
Da die Fibromyalgie immer noch vielen Ärzten unbekannt ist,
haben die Patienten bis zur Diagnosestellung oft eine Vielzahl
von Ärzten besucht und viele verschiedene, teilweise überflüssige
diagnostische Maßnahmen hinter sich. Dies wird sich hoffentlich
ändern, wenn das Krankheitsbild, welches aufgrund der
typischen Symptome und Untersuchungsbefunde eigentlich leicht
zu diagnostizieren ist, auch bei Allgemeinärzten und Orthopäden
zunehmend bekannter wird.

Zur Therapie sei gesagt, häufig sind Schmerzmittel und
Antirheumatika komplett unwirksam.
Auch Krankengymnastik und Massage können zwar bei manchen
Patienten helfen, bei anderen Patienten aber das Krankheitsbild
sogar noch verschlimmern.
Am erfolgreichsten sind wohl kombinierte Therapieansätze mit
psychosomatischer Therapie, physikalischen Anwendungen und
einer intensiven Patientenschulung. Dafür haben sich stationäre
Heilmaßnahmen in auf diese Erkrankung spezialisierten Kliniken
bewährt.
Medikamentös können Antidepressiva wie z.B. Amitriptylin 10-50 mg/Tag
eine Besserung bringen. Dabei ist vor allem eine Einnahme als
einmalige Einzeldosis vor dem Schlafengehen, möglicherweise
durch die Verbesserung des Nachtschlafs, wirkungsvoll und
nebenwirkungsarm.

Seit kurzem gibt es Erfolge bei der chirurgischen Entfernung von
Verdickungen und Verklebungen an den 18 Fibromyalgie-Druckpunkten.
Dieser Behandlung liegt die Annahme zugrunde, dass diese
Druckpunkte identisch mit bestimmten Akupunkturpunkten sind
und daher bei Schädigungen Schmerzen in den Organismus
ausstrahlen.
Bei dem Eingriff werden mit Hilfe von ca. 6 cm langen Schnitten
diese Verklebungen bzw. Verknotungen entfernt. Es sei aber
erwähnt, dass der Berufsverband der Rheumatologen von einem
Placeboeffekt spricht.

Obwohl eine Fibromyalgie niemals, wie andere rheumatische
Erkrankungen, zur Zerstörung oder Funktionseinschränkungen
von Gelenken oder anderen Strukturen des Bewegungssystems
führt, hat sie, was die Besserung der Symptome angeht, keine
gute Prognose.
Ist die Erkrankung erst einmal chronisch geworden, haben nach
10-15 Jahren noch 2/3 der Patienten die gleiche
Schmerzsymptomatik wie zu Beginn.
Deshalb sollte man unbedingt versuchen, eine Chronifizierung zu verhindern.

*Puhhh* nun habe ich erstmal genugt getippt.
Mir tun nämlich jetzt ein wenig die Finger weh, aber
ich hoffe das ich euch ein klein wenig weiterhelfen konnte.

Einen lieben Gruss und eine "gute Besserung"
wünscht euch
der Graf

Uwe

:rolleyes: :rolleyes:

petra
04.12.2003, 11:37
Hallo Graf,

da hast Du ja das Problem tatsächlich in groben Zügen umrissen.

Beim Arzt erfährt man sehr viel weniger, wenn nicht sogar gar nichts.

Wird vielen eine Hilfe sein, irgendwo einen Anfang zu finden:eek:

Danke für Deine Mühe und Ausdauer beim Tippen:)

Gruss - petra

schnegge
07.12.2003, 19:12
hallo Graf,

da hast du dir ja wirklich eine Menge Arbeit gemacht.

Da ich auf 14 der 18 Tender Points positiv reagiert habe, hat mein Rheumatologe, bevor das MRT gemacht wurde, die Fibromyalgie zusätlich zur Spondarthritis Psoriatica in seine Diagnoseliste mit aufgenommen.
Mein Orthopäde hat sich darauf gestürzt, als wenn damit all meine Probleme erklärt wären ( trotz der vorliegenden Röntgenbilder und bisherigen Befunde). Dass die Beteiligung von Sehnen und Sehnenansätzen bei der Spondarthritis Psoriatica vollkommen typisch ist, hat er wohl scheinbar nicht gewußt, oder nicht bedacht. Er war so überzeugend mit seinen Vorschlägen und Tipps zu meinem weiteren Leben, dass ich tatsächlich noch am gleichen Tag in einer Buchhandlung das von ihm empfohlene Buch zur Fibromyalgie bestellt habe. Meinen Urlaub habe ich dann mit der Lektüre dieses Buches verbracht. Vieles darin war bedrückend, aber irgendwie hab ich halt immer wieder gedacht, dafür hab ich aber definitiv Schäden an der Wirbelsäule, also kann es nicht sein.
Nachdem dann der Bericht vom MRT vorlag, hat mein Rheumatologe gesagt, dass ich die Fibromyalgie getrost vergessen könnte. Mein Orthopäde hat mir eröffnet, dass er mich nicht mehr anfassen wird (er hatte mich bei dem letzten Besuch noch ein wenig "zusammengestaucht") und ich habe nun ein Buch für € 19,95 im Bücherschrank stehen, dass ich nicht gebrauchen kann.

Wer also die Diagnose Fibromyalgie um die Ohren gehauen bekommt, sollte nicht sofort das Buch bestellen sondern wirklich warten, bis die Diagnose sicher ist, das erspart unnötige Kosten.

Im Zweifelsfall, ich hab das Buch, und schau gerne rein wenn es Fragen dazu gibt.

ganz liebe Grüße aus dem leicht fröstelnden Münsterland
Margot
;)