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Vollständige Version anzeigen : Wohnumfeld


Michailowitsch
25.08.2011, 14:06
Hallo Forenmitglieder!

Zwar rühren meine körperlichen Einschränkungen nicht nur von der Bechterew Erkrankung her, aber ich lese hier im Forum auch von Befunden, die die Betroffenen körperlich stark einschränken und behindern.
Ich stehe gerade vor der Situation, mir eine neue Wohnung suchen zu müssen und ich versuche, die Kriterien zusammenzufassen, nach denen ich die Suche beginne.
Meine Frage hier im Forum ist, ob und wie ihr euer Wohnumfeld auf Einschränkungen angepasst musstet. Wohnt ihr behindertengerecht oder barrierefrei? Habt ihr Hilfsmittel für den Haushalt und das tägliche Leben? Seid ihr wegen der Erkrankung umgezogen oder habt ihr eure bisherige Wohnung angepasst? Hat sich eure Wohnsituation im zeitlichen Verlauf verändert? Wie habt ihr dem Rechnung getragen? Nehmen Vermieter und Mitbewohner Rücksicht auf eure Behinderung?
Und, um ein Problem anzusprechen, das ich akut zu lösen habe, wie seid ihr ggf. an eine entsprechende Wohnung gekommen? Wer hat euch beraten oder bei der Suche oder Vermittlung unterstützt? Musstet ihr eine Verschlechterung der Wohnsituation in Kauf nehmen?
Ich würde mich freuen, über einige Erfahrungen zu hören, denn ich stehe im Moment etwas ratlos auf dem Schlauch.

Gruß Stefan

hajo159
25.08.2011, 14:31
Hallo Stefan,
da ich seit über 45 Jahren mit Bechterew lebe, habe ich, als ich noch berufstätig war im grünen gewohnt Haus mit breiter Treppe und Handläufen.
Ich würde Dir empfehlen, je nach Befinden eine Wohnung zu nehmen/suchen
die Deinem Zustand entspricht, d.h. Du mußt wissen was Du Dir zutrauts.
Wenn Du Rolli-Fahrer bist ebenerdig, ansonsten max. zweite Etage, bitte
denke daran Du wirst älter.
Gruß
Hajo159

Ulmka
29.08.2011, 21:43
Hallo Stefan,

ich wohne seit 16 Jahren (noch vor der Diagnose) im eigenen Haus, fast alles ist ebenerdig - und darüber bin ich sehr froh denn Treppen mag ich gar nicht. Das liegt weniger am MB als an meiner Kniearthrose - die Knie knirschen bei jeder Stufe... und häufiges Treppensteigen aktiviert die Arthrose so dass es richtig weh tut. Aber auch meine ISG mögen keine Treppen...

Ich würde mir also an deiner Stelle eine ebenerdige Wohnung oder eine mit Fahrstuhl suchen...

Liebe Grüße :knuddel:

Lydia

schnuppelchen
06.09.2011, 04:47
Hallo Stefan,

auch ich wohne, zum Glück, im eigenen Haus, aber da es 100 Jahre alt ist, erweist es sich in vielen schlechten Situationen, wie im massiven Schub z.B, als sehr tückisch, da wir über mehrere Etagen ( bis zum ausgebauten Spitzboden, wo wir schlafen) verteilt wohnen, also viele Treppen, Waschküche auf dem Hof, Vorräte im Keller, Toiletten auf halber Etage , alte Dusche mit sehr hohem Eintieg u.s.w .
Vor 2 Jahrem hatte ich mir die Achillessehen angerissen und war auf Krücken angewiesen, na das war ein "Spaß" http://www.bechterewforum.de/images/icons/icon10.gif.

Was mir vorschweben würde, wären eine ebenerdige Dusche, wenige Türschwellen und Treppen und zumindest eine kleine Terasse, da ich im ersten Riesenschub keine 200m schmerzfrei laufen konnte und aufgrund der vielen Treppen so gut wie kein Tageslicht mehr sah (außer durchs Fenster) . Leider läßt sich das bei uns nicht regeln...

Vielleicht könntest Du Dich da aber an einen Sozialverband wegen geeigneter Adressen wenden !? Denen sollte die Problematik mit der geeigneten Wohnungsfindung für Behinderte und körperlich Eingeschränkte doch geläufig sein, oder ?

LG, Kerstin

Michailowitsch
06.09.2011, 13:22
Vielleicht neige ich dazu, die Bedeutung des Wohnumfeldes über zu bewerten. Das hat den Grund, dass vor ca. 3 Jahren infrage stand, ob ich überhaupt wieder laufen können, sprich meine alte Wohnung weiter bewohnen können würde. Das hatte damals nichts mit der Bechterewerkrankung zu tun und die Sache ist glimpflich ausgegangen. Heute komme ich wieder so weit zurecht, dass ich bis auf weiteres in meiner Wohnung bleiben kann. Die Wohnung liegt auf der ersten Etage und die Treppe lässt sich zwar bewältigen, ist aber für mich trotzdem sehr hinderlich.
Ich wundere mich immer wieder darüber, wie arglos Gebäude geplant werden, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wie man zu Hause zurechtkommt, wenn es einem mal schlechter gehen sollte als zum Zeitpunkt der Planung. Ich habe nach meiner Rückkehr von einem langen Krankenhaus- und Rehaaufenthalt schnell gemerkt, dass man nirgendwo schlechter aufgehoben ist als zu Hause, wo nichts einer Behinderung entsprechend ausgestattet ist.

Zugegeben, das Thema hängt nicht spezifisch mit MB zusammen. Aber wenn ich hier davon lese, welche Verschlechterungen und Symptomatiken MB im Laufe der Zeit noch so in petto hat, mache ich mir schon Sorgen darum, wie eine Wohnung auszusehen hat, die man auf Dauer bewohnen kann, und wann man sich am besten darum kümmert. Ein hundert Jahre altes Haus z.B. mit einem Wohnbereich über drei Etagen ist definitiv nicht zukunftssicher und ich hoffe für dich, Kerstin, dass du darin möglichst lange klarkommst.

Wenn man auf die Schnelle eine neue Bleibe braucht, landet man schnell in einer Wohnumgebung, in die man nicht freiwillig umziehen würde – das habe ich mir schon angesehen. Ich versuche, am Ball zu bleiben und die Sache selber in der Hand zu behalten.


Gruß Stefan

schnuppelchen
06.09.2011, 16:35
Hallo Michael,

was heißt " überbewerten"?
Wenn man bereits die Erfahrungen gemacht hat, die einen an eine " behindertengerechte " Wohnung für die Zukunft denken lassen müssen ( egal ob durch den MB oder eine sonstige Erkrankung), dann ist man, finde ich, gut beraten, sich rechtzeitig um etwas Adäquates zu kümmern. Wenn man es dann nicht braucht :schön und gut, aber nichts ist schlimmer, als in der Not in eben in eine Wohngegend ziehen zu müssen, die einem nicht zusagt, nur weil sich nichts anderes findet oder man selbst nicht mehr aussuchen kann.
Ich würde einfach die Augen offen halten, ob sich etwas Geeignetes bietet, aber ich denke, das tust Du auch und das finde ich vernünftig.http://www.bechterewforum.de/images/icons/icon14.gif

Naja, und für mich hoffe ich auf die nächsten Jahre ohne gerissene Sehnen und Krücken, dann bin ich schon glücklich.

LG, Kerstin

Michailowitsch
10.09.2011, 15:58
Beinahe! Beinahe hätte ich eine tolle neue Wohnung gehabt. Die war in einer ehemaligen Kirche, die in 23 barrierefreie Wohnungen umgebaut wird. Da das Projekt mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, haben die Mieten sogar einen guten Kurs und einen Wohnberechtigungsschein zu bekommen, sollte für mich kein Problem sein.
Leider kommen in einem solchen Kirchenbau viele viele Meter zusammen, die man zu Fuß zurücklegen muss. Das hätte ich auch nicht gedacht, musste das aber bei einer Besichtigung vor Ort so feststellen. Vom Parkplatz ins Gebäude, in den Aufzug, duch den Korridor, in die Wohnung und retour. Das schaffe ich jetzt schon kaum noch und an schlechten Tagen wäre in dieser Wohnung wohl Stubenhocken angesagt.
Das bietet also auch keine Zukunftsperspektive. So ein Jammer!
Ich bleibe weiter am Ball.

Gruß Stefan